Archiv für August 2012

Museum der belarussischen Staatlichkeit

Foto: http://euroradio.fm/report/u-muzei-mozhna-patrapits-tolki-paslya-praverki-w-sluzhbe-byaspeki-112908#

In der Zwischenzeit hat es tatsächlich jemand (eine Korrespondentin von Euroradio.fm) geschafft,, das Museum der belarussischen Staatlichkeit zu besuchen. Demnach muss man zuerst einen Antrag auf Genehmigung beim Nationalen Historischen Museum stellen. Der Antragsteller wird dann zehn Tage lang vom Sicherheitsdienst des Präsidenten geprüft. Falls man das besteht, findet am Eingang eine weitere Kontrolle statt. Der Eintritt kostet 10.000 BYR (ca. 1 €).

Das Museum ist, wie schon zuvor beschrieben, in fünf Säle unterteilt, die die Entwicklung von Belarus seit 1994 veranschaulichen. Der Vorschlag, Jahr 1990 als Anfang des Ausstellungszeitrahmens zu wählen, wie die Mitarbeiter des Historischen Museums vorgeschlagen hatten, wurde abgelehnt. Aus der Zeit vor 1994 findet sich nur ein einziges Dokument in der Ausstellung, nämlich das Gesetz des Obersten Rates der BSSR über die Umbenennung der BSSR in die Republik Belarus. Es wurde vom damaligen Vorsitzenden des Obersten Rates, Stanislaw Schuschkewitsch, unterzeichnet, der in den gegenwärtigen Strukturen in Ungnade gefallen ist. Des Weiteren gibt es Hinweise auf Streiks und die Krise der 90er Jahre, die gegenwärtige Wirtschaftskrise wird jedoch nicht erwähnt. Auf die Frage, warum nur das Wahlprogramm des Präsidenten, nicht aber die der anderen Kandidaten zu sehen sei, verweist der Mitarbeiter des Museums auf Platzmangel. Ausreichend Platz dagegen gibt es für die zahllosen Geschenke an den Präsidenten.

All das macht ja doch neugierig und so habe ich mich auf die Liste setzen lassen und bin gespannt, ob ich die Besuchsgenehmigung erhalten werde.

Globalisierung II

Meist können wir mit unserem derzeitigen Wohnort in Minsk bzw. Belarus bei Mitreisenden, Freunden oder Bekannten wohliges Erstaunen hervorrufen. Nicht selten werden Fragen nach dem Grad der Zivilisation und den Extremen des Klimas gestellt. Nicht so bei einem Ausflug zu Freunden in das benachbarte Polen, wo wir 50 km von der russischen Grenze an den Masurischen Seen in ein wahrlich globales Dorf geraten sind.

Die Gastgeber selbst hatten gerade einige Jahre im, freilich wenig beliebten, Nachbarland verbracht, wo wir sie auch kennengelernt hatten. Weitere Sommergäste stammten aus Warschau, darunter gebürtige Polen, die Belarus sowieso für eine eigentlich polnische Provinz halten – wie übrigens auch den heute russischen Teil Ostpreußens, große Teile Litauens, einige Gegenden der Ukraine usw. Andere kamen zwar aus Warschau angereist, wo sie sogar einen festen Wohnsitz haben, aber aus aller Herrn Länder zugereist sind: Jean-Louis ist von tadelloser französischer Geburt wie Erscheinung, spricht glänzendes Englisch mit wunderbarem französischem Akzent und vertritt ein französisches Unternehmen in Polen. Seine Zukünftige (die Hochzeit auf den französischen Gütern steht unmittelbar bevor), Tanja, stammt aus der östlichen Ukraine, wo sie aber schon 10 Jahre nicht mehr war (weil ihre Eltern seit langem in Odessa leben), weil sie zunächst in Kiew, später in Moskau gearbeitet hat, wo sie sich aber angesichts des rüden Gebarens der russischen Polizei als Bürgerin eines freien und demokratischen Landes nicht willkommen fühlte und in das europäische Warschau übersiedelte. All das, versteht, sich in makellosem Englisch, wahlweise russisch oder polnisch.

Mit von der Partie war ihre Schwester Anja, die tags zuvor für eine Stippvisite zu ihrer Schwester nach Warschau gekommen war, und zwar aus Madrid, wo sie vorübergehend wohnt und natürlich spanisch gelernt hat, bevor sie mit ihrem spanischen Freund in die USA übersiedelt, wo nun mal die Kunden ihres gemeinsamen Internetbusinessunternehmens leben.

Jean-Louis, Tanja und Anja sind allesamt Freunde des Sohnes des Hausherren, der ebenfalls mit seiner Frau aus Warschau anwesend war und jüngste Reiseberichte von Ausflügen nach Nepal und Mexiko beisteuerte. Die Eltern trugen es mit Fassung, freuten sich auf ein ruhiges Wochenende im Ferienhaus und wollten von Minsk sowieso schon nichts mehr wissen. Da waren sie nicht die einzigen.

Globalisierung I

Bisher dachte ich immer, mit Belarus eine einigermaßen interessante Destination beim Reisen zu haben. Wie normal und europäisch Weißrussland allerdings ist, erfuhr ich neulich bei meiner Ankunft am Frankfurter Flughafen. Eine junge Blondine aus den USA verwickelte, zunächst auf Englisch, zahlreiche Fahrgäste des Flughafentranferbusses in ein Gespräch, in dem die Globalisierung zum Greifen nahe war. Zunächst stellte sie fest, dass sie und ein weiterer Mitreisender sich bereits in London beim Umsteigen getroffen hatten. Wie sich herausstellte, war dieser im heimatlichen Tschad auf Reisen gegangen, von dem die Amerikanerin indessen bisher nichts gehört hatte. Sie selbst war, wie sie freimütig berichtete, heute aus Chicago gekommen, um ihren deutschen Freund, der schüchtern neben ihr Platz genommen hatte, in Frankfurt zu besuchen. Dieses war für den Mann aus dem Tschad nur eine weitere Zwischenstation auf dem Weg nach Magdeburg zum Klassentreffen. Dort war er, wie er nun in nahezu akzentfreiem Deutsch den Umstehenden berichtete, vor 25 Jahren zum Ingenieursstudium gewesen, denn der Tschad habe damals wie heute dringend Fachkräfte gebraucht. Das bestätigte ein Ehepaar mittleren Alters mit Backpacker-Gepäck in reinstem Hochdeutsch, erkundigte sich aber höflich, wo denn Magdeburg gelegen sei. Dies wiederum erstaunte den Zentralafrikaner, der sogleich erfuhr, dass die beiden aus Südafrika stammten und das erste Mal in Deutschland waren. Währenddessen führte die junge Frau aus Chicago ein unangemessen ernstes Gespräch (übrigens in leidlichem deutsch) mit ihrem Freund über die Nachteile einer Fernbeziehung über geschätzte 10.000 km. Aber auch in einem so ernsten Fall spielt offenbar das Wetter eine erhebliche Rolle, weshalb sie sich bei einer bisher unbeteiligten jungen Frau erkundigte, ob die Sommer hier in Deutschland immer so schlecht seien. Diese antwortete, dass sie zwar eine gebürtige Mannheimerin sei, aber seit geraumer Zeit in Dubai lebe, wo die Sommer nebenbei bemerkt immer heiß seien. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kam mir Belarus so unspektakulär zentraleuropäisch vor wie sonst nur Magdeburg oder Mannheim.

Jahrbuch Belarus/Weißrussland 2011

Foto: http://www.belinstitute.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=1304%3A-2011-&catid=15%3Apresentations&Itemid=29&lang=en

Seit Kurzem steht das 8. Jahrbuch Belarus, zusammengestellt und herausgegeben von mehreren unabhängigen Autoren und Instituten und finanziert durch den German Marshall Fund, als Download im Internet zur Verfügung. Nähere Informationen zu Autoren, Herausgebern und Inhalten unter: http://www.belinstitute.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=1304%3A-2011-&catid=15%3Apresentations&Itemid=29&lang=en

Eine eigene Rubrik zur Kultur gibt es leider nicht. Allein unter der Überschrift „Gesellschaft“ findet sich neben Beiträgen zum Internet, dem Bildungssystem, dem Dritten Sektor, den Kirchen sowie den Medien der Artikel von Maksim Zhbankov „Cultural Transformation: New modes of stagnation“.

Download in English <http://www.belinstitute.eu/images/doc-pdf/ej_2011_engl.pdf>

Download in russisch: <http://www.belinstitute.eu/images/doc-pdf/ej_2011_rus.pdf>

Das staatliche belarussische Pendant des Statistischen Jahrbuches findet sich unter. http://belstat.gov.by/homep/en/publications/year/2011/about.php

Keine weiteren Straßenumbenennungen in Minsk

Die Phase der Umbenennung von Straßen sei vorbei, teilte jüngst ein hoher  Beamter der Stadt mit (BelaPan 8.8.2012). Nach Igor Karpenko, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Stadt, können prominente belarussische Persönlichkeiten gewürdigt werden, indem neue Straßen nach ihnen benannt werden, nicht aber durch Umbenennung vorhandener Straßen. Als Beispiel nannte er Vasilij Bykov, dem aber anstelle einer Straße auch ein Museum gewidmet werden könnte, sagte Karpenko – ganz neue Töne übrigens in Bezug auf den hierzulande umstrittenen Schriftsteller.

Zugleich verteidigte er die Straßennamen, die an die sowjetische Periode der Geschichte erinnern. So sei Karl Marx [sic!] ein bedeutender Philosoph, dessen Werke bis heute an vielen Universitäten der Welt studiert würden. Neue Straßennamen werden in Zukunft in Zeitungen und im Internet veröffentlicht. Bürger können dazu Stellung nehmen, bevor das Stadtkomitee eine Entscheidung fällt.

Neues Museum in Planung

Für 2014 ist die Eröffnung eines Museum zu Ehren des Schriftstellter Vasilij Bykov (1924-2003) in dessen ehemaliger Datscha in Zhdanovichi bei Minsk geplant. Das Museum soll zum Jahrestag seines 90. Geburtstags 2014 als Filiale des Museums belarussischer Literatur eröffnet werden. Hier gab es bereits eine Sonderausstellung zu Leben und Werk Bykovs. Weitere Exponate werden derzeit von den Museumsmitarbeitern in der Datscha gesichtet.

Themen der Ausstellung sollen Leben und Werk Bykovs werden sowie sein besonderer Beitrag zur Darstellung des Großen Vaterländischen Krieges. Spätestens an diesem Punkt wird es spannend werden, ist doch Bykovs umfangreiches Werk zu diesem Thema in Belarus umstritten. Während viele, meist kritische Intellektuelle seine Darstellung für ihre differenzierte und ambivalente Perspektive auf den Krieg, oftmals durch die Augen individueller Schicksale, schätzen, sehen Vertreter der staatlichen Geschichtsinterpretation genau darin eine falsche Schilderung des noch immer ausschließlich als heldenhaft gedeuteten Sieges der Roten Armee.

Um eine einseitige Vereinnahmung des Werkes ihres Mannes zu verhindern, war die Witwe Bykovs bis heute nicht bereit, die bei ihr befindlichen Dokumente, Aufzeichnungen und Fotos für ein staatliches Museum zur Verfügung zu stellen. Vielmehr trägt sie sich, so hört man, mit dem Gedanken, selbst ein Museum zu eröffnen.

Kritische Überlegungen zu dem geplanten staatlichen Museum finden sich auch im Internet auf den Seiten von Radio svoboda. Hier werden ein Foto des zerstörten Geburtshauses von Bykov aus dem Jahre 2004 veröffentlicht und folgende Fragen gestellt: „Interessant, wie der Zeitraum 1988-1998 dargestellt wird, als Bykow ein aktiver Teilnehmer der Belarussischen Volksfront war, oder der Zeitraum 1998-2003, als er aus politischen Gründen gezwungen war, außerhalb der Heimat zu leben? Oder wie werden die Beziehungen des Schriftstellers mit Senon Posnjak oder Iwonka Surwila sowie die mit Kollegen Rygor Borodulin, Gennadi Burawkin oder Wladimir Nekljajew dargestellt? Allem Anschein nach wird dies in der Ausstellung gar nicht erwähnt“.

Spezialmuseen: Geschichte der Staatlichen Universität

Foto: http://www.tio.by/post/468

Im Hauptgebäude der Belarussischen Staatlichen Universität am Lenin-Platz (die U-Bahn-Station heißt schon: Freiheitsplatz) befindet sich eines der Museumsjuwelen aus alten Zeiten. Dieses hier erzählt uns alle Einzelheiten der Universitätsgeschichte, von ihren Anfängen in den 20er Jahren bis heute – ein Spiegel der Geschichte der Republik Belarus, wie mir die Museumsmitarbeiterinn stolz erzählt. Überhaupt erzählt sie mir in der einen Stunde so viel über die Universität, die berühmten Absolventen und ihre späteren Heldentaten, die Besucher, die ein ganzes Arsenal Geschenke mitgebracht haben sowie die zahlreichen Auszeichnungen für Lehre und Forschung, dass mir ganz schwindelig wird. Aber sie freut sich offensichtlich, dass ich mich für das Museum interessiere, sie in den Mühlen der Bürokratie der Universität ausfindig und noch 20 Minuten gewartet habe, bis sie den Schlüssel gefunden und den hölzernen Zeigestock gezückt hat.

Angefangen hat alles mit dem „Museum für primitive Kultur und Religion“ aus dem Jahre 1924, das auf Initiative einiger Professoren mit Kopien altgriechischer und römischer Skulpturen, Masken und Vasen aus der Petersburger Eremitage bestückt war. In den 20er und 30er Jahren kamen Ausgrabungsfunde hinzu, das Museum wurde zu einem archäologisch-historischen, dessen Bestände – wie auch immer (Genaues ist nicht zu erfahren) – aber dem Großen Vaterländischen Krieg zum Opfer gefallen sind.

Nach dem Krieg knüpfte man thematisch an die Vorläuferversionen an und ergänzte die Ausstellung 1954 um die nunmehr 30jährige Geschichte der Universität. Zusammengetragen haben die Exponate überwiegend die Studenten der Historischen Fakultät, eins kam zum anderen. Nach dem Umzug der Universität in den 90er Jahren wurde zunächst 1997 einmal alles rund erneuert, und 2006 eröffnete die heutige Ausstellung nach einer neuerlichen Erweiterung und Überarbeitung.

Von modernen museumswissenschaftlichen oder museologischen Errungenschaften ist das Museum bis heute unberührt geblieben. Das Museum ist öffentlich zugänglich, allerdings nur nach Anmeldung und mit Führung zu besichtigen. Ein Besuch lohnt sich, nicht zuletzt wegen der individuellen, persönlichen Betreuung, bevor auch hier die Museumsmoderniesierungsmaschinerie einsetzt.

Repin in Weißrussland

Foto: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b8/Belarus-Zdrawneva-Manor_of_Ilya_Repin-1.jpg/800px-Belarus-Zdrawneva-Manor_of_Ilya_Repin-1.jpg

Zwischen 1892 und 1902 hat der russische Maler Ilja Repin die Sommermonate in seinem Landhaus in Zdravnevo, unweit von Vitebsk, im heutigen Belarus verbracht. Sein Vater ist in einem Dorf in der Nähe beerdigt. Heute befindet sich in dem Landhaus ein Museum, eine Filiale des Regionalmuseums Vitebsk.

Die Räume sind mit zeitgenössischen Möbeln und Einrichtungsgegenständen hergerichtet. Außerdem gibt es Dokumente, Fotos, Briefe und persönliche Gegenstände des Künstlers und seiner Familie aus dieser Zeit. Originale Werke von Repin gibt es hier nicht zu sehen, allein einige Reproduktionen zieren die Wände. Um originale Werke des führenden „Wandermalers“ zu sehen, muss man aber nicht bis Moskau reisen, sondern kann sich einige davon im Kunstmuseum Vitebsk ansehen. Im Werk Repins gibt es immer wieder Bezüge zu Weißrussland, darunter sein berühmtes Gemälde „Der Belarusse“ von 1892 (Russisches Museum St. Petersburg).

Übrigens gibt es in Belarus auch eine kleine Stadt mit dem Namen „Repin“, im Gebiet Gomel’, die mit dem Sommersitz des Künstlers nichts zu tun hat.

Museumswissenschaftliche Fachliteratur

Eine neue Dissertation zur Museumslandschaft in Belarus war Anlass für mich, mal einen (nicht vollständigen und nicht erschöpfenden) Blick auf die Fachliteratur zu Fragen rund ums Museum zu werfen. Die erwähnte Dissertation von Evgenija Krasnova (russisch) gehört zweifellos dazu, so wie auch die Arbeiten von Tamara A. Džumantaeva, die bis dahin die einzige Doktorarbeit zu den belarussischen Museen (zur „Entwicklung der Kulturmuseen in Grodno“, 2009, belarussisch) vorgelegt hatte.

Hier deutet sich bereits ein Problem für ausländische Wissenschaftler an: Wer einen genauen Blick auf die belarussische Museumsszene werfen will, der muss auch belarussisch zumindest lesen können. Z.B.

Alexander A. Gužalovskij, Professor für Museumswissenschaften an der BGU, schreibt meist auf belarussisch. Von ihm stammen zahlreiche Veröffentlichungen, darunter die dreibändige Übersicht über die Geschichte der belarussischen Museen von 1918 bis 1991 (letzter Band: Minsk 2004) sowie die umfangreiche Einführung in dem Nachschlagewerk „Muzei Belarusi“, Minsk 2008.

Ebenfalls zur Lage der belarussischen Museen publiziert Alla Staskevič vom Institut für belarussische Kultur, und zugleich Vorsitzende von ICOM Belarus. Vgl. Музеи Литвы и Беларуси: пути и перспективы развития в XXI веке: [материалы конференции, Минск ― Вильнюс ― Тракай, 2006―2007 / составители: Е. Матевосян, В. Повилюнас, А. Сташкевич]. – Минск [и др.], 2007. – 111 c. Das Institut für belarussische Kultur sammelt übrigens statistisches Material über die Museen des Landes, was allerdings nur unregelmäßig veröffentlicht wird.

An der im Exil befindlichen Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius beschäftigt sich Alexander Kolbaska mit dem Thema, der auch viel auf Englisch publiziert, über Belarus hinaus in andere Länder schaut und dabei Fragen des Museumsmanagements berührt.

Eine eigene Fachzeitschrift gibt es in Belarus nicht. Unregelmäßig erscheinen lediglich die Музейныя сшыткi. Навуковая апрацоўка музейных прадметаў. Пiсьмовыя i фотадакументальныя помнiкi: Навук.-метад.зб. – Мн.: БелIПК sowie eine Sammlung von Aufsätzen zu Museumsfragen vom Staatlichen Museum für Geschichte. Für allgemeine Fragen der Museumswissenschaften und theoretische Aspekte sind die entsprechenden russischen Zeitschriften zu nennen, z.B. Voprosy Museologii, Mir Muzeja u.a. Die Berichte zur Entwicklung der Museumslandschaft, ihrer Institutionen und Personen, beziehen sich hier natürlich auf Russland – die Lücke für Belarus bleibt bisher offen. Einzelne Aufsätze zum Museumswesen dagegen finden sich in folgenden Zeitschriften: Vestnik Instituta sovremennych znanii, Vestnik Belarusskogo gosudarstvennogo universiteta kul’tury i iskusstva (auf belarussisch) sowie Čelovek. Gramadstva, Svet (Informationsministerium).

2003 ist ein Leitfaden zur Behandlung von Sammlungsgut erschienen (Naučnaja obrabotka muzejnych predmetov, Mogiljov 2003) sowie 2004 ein Wegweiser zur Entwicklung musealer Konzeptionen (Канцэпцыя развiцца музейнай справы, Minsk 2004, hg. vom Kulturministerium). 2005 hat das Nationale Kunstmuseum einen Sammelband herausgegeben (Muzej kak kreativnoe prostranstvo kul’tury, Minsk 2005) und 2006 veröffentlichte das Erziehungsministerium zusammen mit der Vitebsker Universität ein Handbuch für Studenten (Музей. Вучэбна-метадычны комплекс, Vitebsk 2006).

Die häufigste Publikationsform ist die Veröffentlichung von Konferenzbeiträgen, wie z.B. 2009 „90 год Вiцебскаму абласному краязнаŷчому музею (2009), darin ein Aufsatz über die Entwicklung des belarussischen Ausstellungswesens. Es lohnt sicher daher, die rege Konferenztätigkeit der Museen zu verfolgen. 2010 schließlich ist die Veröffentlichung Культурная спадчына, менеджмент, маркетинг (Minsk 2010)  erschinen.

Der Zugang zu internationaler Literatur und vor allem Zeitschriften ist sehr eingeschränkt. Sei es, weil die Bibliotheken kein Geld für Ankäufe haben, sei es, weil es doch einen Filter gibt, so dass es so manche Veröffentlichung nicht in die belarussischen Kataloge schafft. Fachliteratur zu allgemeinen Fragen des Kulturmanagements ist auch in Russland erst in den letzten Jahren erschienen, seitdem aber eine große Anzahl von Büchern und Aufsätzen. Hier lohnt sich ein Blick in die Publikationsliste des Studiengangs an der Petersburger Universität (G.L. Tul’činskij und E.L. Šekova). Aber nicht mal diese Literatur oder auch die verschiedenen Angebote von ICOM Russland sind hierzulande immer bekannt, geschweige denn verbreitet.