Archiv für Dezember 2010

Zeitgenössische Kunst

Noch bis zum 9. Januar 2011 zeigt das Contemporary Art Centre in Vilnius (nur 170 km von Minsk entfernt) eine Ausstellung zeitgenössischer weißrussischer Künstler. Unter dem Titel „Durys atsidaro? Baltarusių menas šiandien“ („Öffnen sich die Türen? Weißrussische Kunst heute“) stellt die Ausstellung künstlerische Positionen zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage in Belarus vor. Der Zeitpunkt der Präsentation vor und nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus ist zweifellos mit Bedacht gewählt und macht auf die Tatsache aufmerksam, dass zeitgenössische Kunst in Belarus kaum gefördert wird. Umso überraschender war eine kürzliche Initiative des Präsidenten zur Errichtung eines Zentrums für zeitgenössische Kunst. Es wird zu beobachten sein, welche der hier formulierten Ziele realisiert werden und wie sich das auf die Kunstszene auswirkt.

Zur Ausstellung in Vilnius ist ein Katalog in litauischer, englischer und russischer Sprache erschienen. Die weißrussische Zeitung BelGazeta hat, wohlgemerkt vor den Wahlen, am 13.12.2010 in der Ausgabe 49 (772), S. 5, eine ebenso bitterböse wie gute Kritik der Ausstellung publiziert.

Das Museum als Ort der Persönlichkeitsentwicklung?!

Abschlussveranstaltung am 21.12.2010

Erwachsenenbildung wird in Belarus noch klein geschrieben. Es gibt weder ein so dichtes Netz von Volkshochschulen, wie wir es aus Deutschland kennen, noch Fortbildungseinrichtungen oder gar Seniorenakademien. Das Bildungssystem wird vielmehr bestimmt durch die schulische Bildung, das Hochschulstudium und die Berufsausbildung. Zwar bieten zunehmend städtische und andere offizielle Bildungseinrichtungen Kurse speziell für Erwachsene an (siehe: Minsker Bezirksinstitut für Bildungsentwicklung), doch stecken diese Angebote noch in den Anfängen – ein Grund, warum sich der „Deutsche Volkshochschulverband e.V.“ in Belarus engagiert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Geschichte im Museum

Wie aktuell und wichtig Fragen der Geschichte auch für die Museen sind, hat die Abschlusspräsentation der Projekte gezeigt, dich sich an dem Wettbewerb „Geschichte des 20. Jahrhunderts in der Erwachsenenbildung“ beteiligt haben. Das Forum fand am 17.12.2010 im Minsker Bezirksinstitut für Bildungsentwicklung statt, gefördert wurde das Programm vom „Deutschen Volkshochschulverband e.V.“ in Minsk. Beteiligt haben sich insgesamt acht Institutionen, neben Museen auch Bildungseinrichtungen verschiedener Bezirke in Minsk und anderer Regionen Weißrusslands sowie die Orthodoxe Kirche.

Der Motivation und den Folgen von Emigration aus der Region in die USA widmete das Heimatmuseum Kopyl im Minsker Bezirk ein Projekt. Das Vitebsker Bildungsmuseum präsentierte seine ehrgeizigen Pläne zur Gründung im kommenden Jahr. Ebenfalls eine Museumsgründung in einem ehemaligen Seminar zur Bildungsgeschichte ist in Schtschutschin in der Region Grodno vorgesehen.

Weitere Institutionen wählten unterschiedliche, thematische Schwerpunkte, wie z.B. die Bildungssituation der 40er und 50er Jahre in Minsk, Spuren der Musikgeschichte im Kreis Mogiljow oder die Entwicklung von weiblichen Wohltätigkeitsorganisationen in Belarus.

Das Forum bot den Teilnehmern neben Vorträgen über die Rolle und Funktion der Museumspädagogik für die Erwachsenenbildung (von einer Vertreterin des Staatlichen Historischen Museums, Minsk), die Entwicklung und Methoden der „oral history“ (von einer Vertreterin des Minsker Bezirksinstitut für Bildungsentwicklung) sowie die Arbeit des Volkshochschulverbandes in Belarus, die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Die vier besten Projekte präsentierten sich zudem mit kleinen Ausstellungen und Materialien im Foyer.

Museumspädagogik

Vom aktuellen Stand der Fachdiskussion zur Museumspädagogik in Belarus konnte ich mich auf einem Fortbildungsseminar in der vergangenen Woche überzeugen. Veranstaltet vom Institut für Kultur in Belarus waren ca. 40, meist junge Museumsmitarbeiter/-innen aus ganz Belarus nach Minsk gekommen, um fünf Tage über „Ort und Rolle des Museums im Kontext aktueller Bildung“ zu sprechen. Nach einführenden Vorträgen über Tendenzen und Methoden der Bildungsarbeit im Museum, stellten Mitarbeiter/-innen aus verschiedenen Museen konkrete Projekte vor, darunter die pädagogische Arbeit der „Schloss- und Parkmuseen“ in Gomel, die sich mit einer beeindruckenden Vielfalt an Angeboten auf die Zielgruppe von Kindern mit Behinderungen spezialisiert hat, ein Museumsspiel für Schüler und Jugendliche im Staatlichen Historischen Museum, ein Programm für Senioren in der Städtischen Galerie Schtschemeljowa sowie Veranstaltungen für Erwachsene zur Traditionspflege im „Staatlichen Museum der Volksarchitektur und Alltagslegen der Republik Belarus“.

Ein Blick in eine nachgebaute Hütte im Museum für Volksarchitektur.

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Museum des Großen Vaterländischen Krieges I

Das Gebäude des Museums auf dem Platz der Republik.

Mitten im Zentrum der Stadt, Am Prospekt Nezavisimosti, befindet sich das „Belarussische Staatliche Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges“, wie es richtig heißt. In einer Dauer- und verschiedenen Wechselausstellungen zeigt es die offizielle Sicht auf die Geschichte des Krieges gegen das nationalsozialistische Deutschland von 1941 bis 1945. Ergänzt werden die Ausstellungen durch die Präsentation von Großgerät im Außenbereich.

Bereits 1942 erhielt eine eigens zu diesem Zweck gegründete Kommission den Auftrag, Dokumente und Materialien zum Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion sowie den eigenen Abwehrkampf zu sammeln. Auf dieser Grundlage eröffnete im November 1942 die erste Ausstellung  unter dem Titel „Belarus lebt, Belarus kämpft, Belarus war und wird sowjetisch sein“. Sie wurde in Moskau in den Räumen des Staatlichen Historischen Museums am Roten Platz gezeigt. Nach der Befreiung Weißrusslands durch die Rote Armee bildete die Ausstellung die Grundlage für das neu gegründete Museum im Haus der Gewerkschaften auf den Platz der Freiheit. Die Eröffnung für die Besucher fand am 22. Oktober 1944 statt. Seit 1966 befindet sich das Museum in dem heutigen Gebäude.

Museum des Großen Vaterländischen Krieges II

Anlässlich des 65. Jahrestages seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges zeigt das Museum im Rahmen des Projekts „Die Parade des Sieges am 24.6.1945“ aktuell drei Sonderausstellungen. Zuerst eröffnete eine Präsentation über die sowjetische Gesellschaft im Krieg, danach eine Ausstellung über die die Lebensbedingungen und Aktionen der Partisanen. Seit dem 28.10.2010 ist auch die dritte Ausstellung zu sehen, die persönliche Gegenstände und erbeutete Waffen und Fahnen der Teilnehmer an der Siegesparade unter Einbeziehung von originalen Tondokumenten zeigt.

Ausstellungseröffnung am 27.10.2010

Auf den ersten Blick bieten die Ausstellungen nichts Neues auf die im Museum präsentierte Sicht des Krieges durch die Brille der sowjetischen Ideologie. Dieser Eindruck wird durch die traditionell überladene, in roten Farben gehaltene und sehr realistische Gestaltung unterstützt. Auch die Eröffnungszeremonien folgen alten Mustern, indem mit Orden beladene Veteranen die zur Anwesenheit verpflichtete Jugend auf die Heldentaten Stalins zum Sieg über die Faschisten und zur Befreiung von Belarus einschwören.

Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich eine differenzierte Sicht auf die Ereignisse. Diesen Beitrag weiterlesen »

Museum der Geschichte der weißrussischen Literatur

Mein erster Museumsbesuch führte mich in das kleine, aber feine Staatliche Museum der belarussischen Literatur

Über meinen Besuch war man ebenso erfreut wie erstaunt, das Ticket (45 Rubel) wurde mir als einzigem Besucher erlassen und extra für mich das Licht in den Räumen eingeschaltet.

Ein Blick in die Ausstellung

Zu sehen ist seit Januar 2010 eine Ausstellung über den belarussischen Schriftsteller Vassilij Bykov (1924-2003). Sie berichtet über seine familiäre Herkunft aus der Region Vitebsk, seine künstlerische Entwicklung und die Rezeption seiner Werke im In- und Ausland durch Verfilmungen und Übersetzungen. Die Beschriftung ist in belarussisch und englisch gehalten, die Gestaltung schlicht, aber hochwertig und professionell. Mit Originaldokumente, Faksimiles, Fotos und persönlichen Gegenständen bietet die Ausstellung eine lebendige und kenntnisreiche Einführung in das Leben dieses bei uns weitgehend unbekannten Autors.

Informationen auf russisch zum Museum
Einen Einstieg in alle Literaturmuseen Weißrusslands bietet die Website: http://litmuseums.iatp.by/index_ru.html