Blog


Revolution und Medizin

vom 24.08.2017 14:35:20

… ist das Thema einer kleinen, aber feinen Sonderausstellung im Kriegsmedizinischen Museum in St. Peterburg, die dort bis November zu sehen sein wird. Im Zentrum steht ein Fotoalbum, das die Absolventen der medizinischen Akademie im Jahre 1917 zeigt. Ausgehend davon verfolgt die Ausstellung die Schicksale dieser Mediziner und was aus Ihnen geworden ist. Während einige dem Großen Terror zum Opfer fielen, spielten andere eine unrühmliche Rolle in der Leningrader Affäre und den Ärzteprozessen.

Ich schätze dieses Museum sehr – zum einen wegen der spektakulären Sammlung, aber auch weil es zu dem Typ des aussterbenden Museums in Russland gehört, in denen Exponate, Präsentation und Bildung auf eine so einzigartige Weise verbunden sind. Jeder Museumexperte würde sofort eine Modernisierung, den Einsatz von Medien und eine zeitgemäße Gestaltung empfehlen. All das fehlt bisher und doch ist es ebenso anregend wie lehrreich, zwischen der Vielzahl an Objekten und endlos langen Texten zu stöbern. In der Reihe vorsichtiger Experimente, die das Museum in den letzten Jahren gemacht hat, sticht diese kleine Revolutionsausstellung einmal mehr heraus.


Robert Büchtger: Der Pilger

vom 14.08.2017 14:33:44

Dieses Gemälde aus einer Berliner Privatsammlung hat mich schon mehrmals in unterschiedlichen Zusammenhängen beschäftigt. Aktuell geht es dabei um unsere Revolutionsausstellung im Deutschen Historischen Museum, die im Oktober eröffnet wird. Es wird dort eines von ganz wenigen verfügbaren Exponaten sein, die von bäuerlichen Lebenswelten in Russland am Ende des 19. Jahrhunderts erzählen können. In Vorbereitung der Ausstellung wird das Bild des deutsch-russischen Künstlers Robert Büchtger nun restauriert. Zu diesem Zweck wurde es vor Kurzem unter fachlicher Betreuung in die Werkstatt einer Restauratorin transportiert, wo es bis Oktober konserviert und in Teilen restauriert werden wird.

Schon jetzt schließt sich für mich damit einer von vielen Kreisen zur Geschichte des Gemäldes, das ich vor einigen Jahren im Werkverzeichnis Büchtgers dokumentiert habe. Verschiedene Aufkleber auf der Rückseite des Bildes – übrigens einem sehr seltenen, klappbaren Keilrahmen aus der Entstehungszeit des Werkes – geben weiteren Aufschluss über die Stationen, an denen das Gemälde gezeigt und vermutlich zum Verkauf angeboten wurde. Diese Aufkleber waren mir bisher aufgrund der Größe und des fragilen Zustandes des „Pilgers“ nicht zugänglich gewesen, wir haben uns schlicht nicht getraut, es von der Wand zu nehmen und die Rückseite zu betrachten. Nun kann ich das Werkverzeichnis vervollständigen, und das Gemälde wird in einen wieder stabilen Zustand gebracht, in dem es die Strapazen der Transporte überstehen und hoffentlich vielen Ausstellungsbesuchern vom vorrevolutionären Russland erzählen wird.


1917. Die große Rußländische Revolution

vom 03.08.2017 14:31:18

So würde unsere Ausstellung vermutlich in Russland heißen und daher hat die russische Fachzeitschrift „Muzej“ meinen Text über die beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin vermutlich auch so überschrieben. Tatsächlich wird sie „1917. Russland und Europa“ heißen. In Zürich lautete der Titel „1917. Revolution und die Schweiz“ und der gemeinsame Essayband für beide Projekte trägt den Titel „1917. Russland und die Folgen“.  Gemeint ist natürlich in jedem Fall die Große Rußländische Revolution…


Lenin in Berlin

vom 24.07.2017 14:30:43

Genau wie vor 100 Jahren machte sich Vladimir Lenin kürzlich auf den Weg aus Zürich, um die Revolution voranzubringen. Im April 1917 reiste er über Berlin weiter nach Petrograd, wie St. Petersburg seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges hieß. Zum 100. Jahrestag der Revolution endete seine Reise in Berlin im Deutschen Historischen Museum. Von dort war er auch nach Zürich aufgebrochen, um dort in der Ausstellung „1917. Revolution. Russland und die Schweiz“ gezeigt zu werden. Nun kehrte er zurück und steht – weithin sichtbar – im Foyer des Pei-Baus, um schon jetzt für die kommende Ausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“ zu werben. Anschließend wird er wieder seinen Platz im Eingangsbereich des Zeughauses einnehmen.

Die Rede ist übrigens von der 3,23 m hohen Lenin-Skulptur des sowjetischen Künstlers Matwej G. Maniser (1891-1966) aus dem Jahre 1924. Und ganz unabhängig von der historischen Person hat diese Skulptur schon allein eine unglaublich interessante Geschichte. Diese ist jetzt im Foyer und ab dem 18. Oktober in unserer Ausstellung im Pei-Bau nachzulesen.

Foto: https://auctionata.com/de/schaetzen-verkaufen/gemaelde

Das Aus für Auctionata

vom 08.05.2017 05:05:37

Das Online-Auktionshaus hat Insolvenz angemeldet und wird schließen. Für mich endet damit ein, wenn auch kurzer, aber lehrreicher Ausflug in den Kunsthandel. Seit über einem Jahr war ich als Expertin für den Fachbereich Sozialistischer Realismus bei Auctionata unter Vertrag.


Ausstellung des Staatlichen Russischen Literaturmuseums im Russischen Haus

vom 30.04.2017 05:02:47

In der Zeit vom 23. März bis 2. Mai ist im Russischen Haus in der Friedrichstraße eine (ins Deutsche übersetze) Wanderausstellung und des Literaturmuseums aus Moskau zu sehen, mit dem wir auch für die Revolutionsausstellung im DHM zusammenarbeiten. Gegenstand sind 12 Schriftsteller und ihre Reaktionen auf die revolutionären Ereignisse des Jahres 1917.

Zwölf mehrteilige Ständer sowie Reproduktionen von Kunstwerken und Designentwürfen vermitteln ein vielfältiges und aufschlussreiches Bild von der Kulturszene dieser Jahre. Die Gestaltung der Ausstellung macht das Lesen leicht und präsentiert die Biographien, Zitate, Dokumente, Fotos und Abbildungen von Kunstwerken abwechslungsreich und doch unaufdringlich.

Der Einführungstext berichtet über die Einstellungen der Schriftsteller, eine Kontextualisierung der historischen Ereignisse fehlt jedoch leider. Dennoch lohnt sich der Besuch, sie gib einen Einblick in die wirklich einmalige Sammlung des Moskauer Museums, die so viel mehr zu bieten hat, als nur Bücher! Schade, dass wir nicht mehr davon in unserer Ausstellung werden zeigen können.

Foto: IBB Minsk

Unsere Maly Trostenec-Ausstellung nun auch in Minsk

vom 10.04.2017 04:54:19

Anlässlich des 25. Jahrestages zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen wurde in Minsk nun auch unsere Trostenec-Ausstellung eröffnet. Ihre erste Station ist das Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, wo sie an prominenter Stelle noch bis zum 16. April zu sehen ist. Anschließend soll sie nach Grodno und Mogiljow wandern.

Das Programm zur Eröffnung umfasste einen Besuch am historischen Ort, wo unsere Delegation mit General a.D. Schneiderhan in seiner neuen Funktion als Präsident a.i. des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Kranz niederlegte, eine interkonfessionelle Andacht in der Kirche Aller Heiligen sowie eine Diskussionsveranstaltung in der Geschichtswerkstatt. Im Museum sprach u.a. Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, der zudem nach einem politischen Programm in Minsk am nächsten Tag mit Studierenden in der IBB diskutierte.

Seit November 2016 ist die Ausstellung bereits in Deutschland zu sehen, aktuell im Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst. Die nächste Station ist ab Oktober Köln, später Bremen.

Die Ausstellung wird noch bis zum 16. April im Minsker Kriegsmuseum zu sehen sein.

Weitere Informationen:
http://www.stiftung-denkmal.de/veranstaltungen/veranstaltungsberichte/detail/article/eroeffnung-der-wanderausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung.html

TV-Berichte und Artikel zur Eröffnung in Minsk:

http://ont.by/news/our_news/nemeckaya-delegaciya-posetila-memorialnij-kompleks-trostenec

http://www.ctv.by/mir-segodnya-nuzhnee-vsego-nemeckaya-delegaciya-posetila-memorial-trostenec

http://minsknews.by/blog/2017/03/13/predstaviteli-nemetskoy-obshhestvennosti-vozlozhili-tsvetyi-k-memorialu-v-trostentse/

http://www.belrynok.by/ru/page/society/4766/

http://www.buechtger.tradicia.de/
http://www.buechtger.tradicia.de/

Neues zu Robert Büchtger

vom 04.04.2017 13:44:08

Ich freue mich immer wieder, wenn ich eine neue Meldung zu einem weiteren Büchtger-Gemälde erhalte. Meist findet jemand auf der Suche nach Informationen zu diesem deutsch-russischen Künstler im Internet meine Website und meldet ein weiteres, für mich neues Gemälde. Dieses Mal handelte es ich um eine Winterlandschaft, die leider, wie die meisten Bilder von Büchtger, nicht datiert ist. Mit solchen Meldungen wächst das Werkverzeichnis weiter und macht hoffentlich auf den Künstler und die Website aufmerksam!

Leipzig_2017

„Leipzig liest“: Vorstellung der Ausstellungskataloge auf der Buchmesse

vom 22.03.2017 13:41:34

Am Freitag, den 24.3. wurden die bisher erschienenen Bücher zu den beiden Ausstellungen durch den Sandstein-Verlag auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt: Der Katalog des Schweizerischen Nationalmuseums und der Essayband. Mit Jörg Baberowski und Dirk von Laak habe ich über die Ausstellungen, die Revolution und die Erinnerung daran gesprochen. Etwa 100 Interessierte haben uns dabei zugehört.
24.3.2015, 15.00 Uhr bis 15.30 Uhr, Forum Sachbuch Halle 3, Halle 3, Stand E201

Genauso voll war eine Veranstaltung mit Michail Rychlin, ebenfalls zur Russischen Revolution, die ich am Vormittag besucht hatte. Und der Guggolz-Verlag, mit dem wir für die Berliner Ausstellung zusammenarbeiten, hat auf der Messe den Kurt Wolff Förderpreis erhalten. Ein rundum toller Tag auf der Leipziger Buchmesse!

SNM_Revolution

1917. Revolution. Russland und die Schweiz

vom 12.03.2017 13:12:39

Am 23.2. war es soweit: Die Ausstellung wurde in Zürich eröffnet. Zuvor hatte es eine Pressekonferenz und eine Preview für die Leihgeber gegeben. Alles ist erfolgreich verlaufen, und die Ausstellung bekam durchweg positives Feedback. Hier die ersten Pressestimmen der NZZ (mit Bildern), des Tagesanzeigers (ebenfalls mit Bildern) und des SRF.

Neben dem gemeinsamen Essayband für die Ausstellungen in Berlin und Zürich ist nun auch der Katalog zur Schweizer Ausstellung erschienen – mit 75 Abbildungen ein schönes Lesebuch.

Für mich ist es die erste große Etappe in dem Kooperationsprojekt zwischen dem Schweizerischen Nationalmuseum und dem Deutschen Historischen Museum, und ich freue mich nach wie vor, Kuratorin bei beiden Projekten zu sein.

Nun wird die Arbeit für die Berliner Ausstellung an Fahrt gewinnen – Zielpunkt ist die Eröffnung, die nach aktuellem Stand am 20. Oktober stattfinden wird.