Blog


Revolution und Medizin

vom 24.08.2017 14:35:20

… ist das Thema einer kleinen, aber feinen Sonderausstellung im Kriegsmedizinischen Museum in St. Peterburg, die dort bis November zu sehen sein wird. Im Zentrum steht ein Fotoalbum, das die Absolventen der medizinischen Akademie im Jahre 1917 zeigt. Ausgehend davon verfolgt die Ausstellung die Schicksale dieser Mediziner und was aus Ihnen geworden ist. Während einige dem Großen Terror zum Opfer fielen, spielten andere eine unrühmliche Rolle in der Leningrader Affäre und den Ärzteprozessen.

Ich schätze dieses Museum sehr – zum einen wegen der spektakulären Sammlung, aber auch weil es zu dem Typ des aussterbenden Museums in Russland gehört, in denen Exponate, Präsentation und Bildung auf eine so einzigartige Weise verbunden sind. Jeder Museumexperte würde sofort eine Modernisierung, den Einsatz von Medien und eine zeitgemäße Gestaltung empfehlen. All das fehlt bisher und doch ist es ebenso anregend wie lehrreich, zwischen der Vielzahl an Objekten und endlos langen Texten zu stöbern. In der Reihe vorsichtiger Experimente, die das Museum in den letzten Jahren gemacht hat, sticht diese kleine Revolutionsausstellung einmal mehr heraus.


Revolution reloaded: Wie russische Museen mit dem Jahrestag umgehen

vom 14.07.2017 06:23:01

Die erste Sonderausstellung zum Jahrestag in Moskau war die am 21. März im Museum für Zeitgenössische Geschichte eröffnete Schau „1917 – Der Code der Revolution„. Sie ist bis November zu sehen und bezeichnet sich selbst als „Multimediales Bildungsprojekt ‚ 100 Jahre Große Rußländische Revolution: Gedenken im Namen der Solidarität‘“.

Die Ausstellung, die teilweise in die neue, derzeit im Umbau befindliche Dauerausstellung einfließen wird, stellt eine deutliche Verbesserung zu der alten Darstellung der Epoche dar und spiegelt zudem die einmalige Sammlung des Museums. Dennoch bleibt die Ausstellung hinter ihren eigenen konzeptionellen Ansprüchen einer Präsentation verschiedener Standpunkte und Meinungen sowie „der Analyse historischer Prozesse durch das Prisma ihrer subjektiven Wahrnehmung der Menschen“ zurück. Insbesondere die Überfülle an Material, die die Textkonzeption, eine mangelnde Besucherführung sowie der Versuch, wissenschaftlich aufbereitete Information durch ein Überangebot an Medien zu kompensieren, bestätigen den Eindruck, dass das Museum einen museal modernen, konzeptionell aber bewusst unspezifischen Beitrag zum 100. Jahrestag leisten wollte.

Ein anderes Bild zeigt das Museum für Politische Geschichte in Petersburg. Hier ist bereits seit 2015 die neue Dauerausstellung „Die Revolution in Russland 1917 bis 1922“ zu sehen. Sie bietet eine differenzierte Darstellung unterschiedlicher Standpunkte und löst damit ihr konzeptionelles Ziel, dem Besucher Material und Informationen an die Hand zu geben, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, ein. Stärker als in Moskau wird die Epoche der Revolution nicht nur dokumentiert, sondern problematisiert, ergänzt durch eine klare Haltung der Kuratoren zugunsten einer offenen Diskussion.

Eine detaillierte Analyse beider Ausstellungen ist Gegenstand eines Aufsatzes, der in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift OSTEUROPA erscheinen wird. Es sind zwei Beispiele aus einer Vielzahl von musealen Programmen zum 100. Jahrestag der Revolution, von denen besonders diejenigen der sogenannten Provinzmuseen, darunter Jekaterinburg und Krasnojarsk, hervorzuheben sind. Mit ihren sehr verschiedenen konzeptionellen Zugängen und Formen musealer Gestaltung sind die Projekte in Moskau und Petersburg jedoch geeignet, das breite Spektrum der Interpretationen innerhalb der Museumslandschaft Russlands angesichts geschichtspolitischer Unsicherheit im Umgang mit diesem Gedenkjahr zu verdeutlichen.

Foto: Nikita Anikin (Museum für Zeitgenössische Geschichte, Moskau)

Noch mehr Ausstellungen und Museumsprojekte zur Revolution in Russland …

vom 24.06.2017 05:02:16

… wurden vor Kurzem auf der Museumssektion der Konferenz im Museum für Poltische Geschichte in St. Petersburg vorgestellt. Im Rahmen des Gesamtthemas der Tagung „Die Revolution 1917 in Russland: Ereignisse und Konzeptionen, Folgen und Erinnerung“ war das die mit Abstand interessanteste Sektion, da es ansonsten doch eher um sehr detaillierte Aspekte der Ereignisgeschichte ging, das Thema der Erinnerung aber in keinem Vortrag zur Sprache kam. Immerhin konnten die russischen Kollegen, wohl zu Recht, konstatieren, dass es in der Erforschung dessen, was 1917 „wirklich passiert“ sei, inzwischen keine Differenzen mehr mit den „westlichen“ Kollegen gäbe. Auf meine Nachfrage, ob dies auch für die Erinnerung und geschichtspolitische Interpretation zutreffe, erhielt ich eine ausweichende Anwort mit dem Verweis auf die Fruchtbarkeit jeder Diskussion.

In der Museumssektion, in der auch ich die Gelegenheit hatte, die beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin zu präsentieren, wurden außerdem die Sonderausstellung im Museum für Zeitgenössische Geschichte in Moskau, die Dauerausstellung im Museum für Poltische Geschichte sowie Ausstellungen in Zaryzin-Stalingrad und Peterhof zur Diskussion gestellt. Auch hier wird es eine Publikation geben, in der dann auch einige weitere interessante Beiträge zur Museumsgeschichte im Kontext der Revolution und entsprechende Sammlungsbestände nachzulesen sein werden.

Foto: Wikipedia

Auf Lenins Spuren

vom 14.06.2017 14:48:50

Als ich kürzlich aus Anlass einer Konferenz in St. Petersburg war, habe ich die Stadt mit neuen Augen gesehen und mir überall wogende Menschenmassen mit roten Fahnen vorgestellt. Wo haben sie demonstriert? Was erinnert heute in der Stadt an die Revolution von 1917?

Eingestimmt war ich schon durch meinen Wohnort am Suvorovski-Prospekt im alten Teil der Stadt und einen Besuch bei Freunden ebenfalls im Geiste viel früherer Ereignisse – auf der Dekabristenstraße und einem Viertel, in dem man sich nicht wundern würde, wenn Raskolnikov um die nächste Ecke käme. Dann habe ich mich aber aufgemacht zu meinem Lieblingsmuseum, dem Museum für Politische Geschichte. Dort habe ich mir zum wiederholten Male die neue Dauerausstellung zur Revolution angesehen, die sowieso schon sehr gut ist. Noch besser wird sie aber dadurch, dass sie die historischen Räumlichkeiten der Kschesinskaja-Villa mit einbezieht, in denen Lenin persönlich und die Parteispitze der Bolschewiki gewirkt haben, einschließlich des berühmten Balkons, von dem Lenin nach seiner Rückkehr aus der Schweiz zu eben jener revolutionär gestimmten Menge meiner Vorstellung gesprochen hat.

Von da ging es weiter zur „Aurora“, die seit dem letzten Sommer frisch renoviert wieder als Museum zugänglich ist. Da mein Rundgang (zufällig) mit dem Tag des Sieges zusammenfiel, war der Eintritt frei, freilich nur für Russen. Erkannt hat sie mich sogleich an meinem freundlichen „Guten Tag“, wobei ich nicht sicher bin, ob es am Akzent lag oder schlicht an der Tatsache, dass ich gegrüßt habe. Jedenfalls hat sie meinen Gruß nicht erwidert, sondern nur grimmig gefragt, wo ich herkomme. Danach war die Überraschung noch größer, denn sie hat sich wohl gefragt, wie man es wagt, am 9. Mai aus Berlin nach Russland zu reisen. (In der Tat habe ich die Stimmung in der Stadt den ganzen Tag als angespannt empfunden, aber das ist eine andere Geschichte.)  Jedenfalls hat sie mir nur mürrisch einen Zettel hingehalten, der allerdings in Times New Roman 9 Pkt und zudem auf russisch, von dem sie ja annahm, dass ich das sowieso nicht beherrsche, wenig aussagekräftig war. Die Spannung war zu spüren, also habe ich ihr meinen ICOM-Ausweis vorgelegt, da immerhin dessen Logo auf besagtem Zettel deutlich unter Rubrik „kostenlos“ zu erkennen war. Ob sie erleichtert war, dieser unangenehmen Begegnung ein Ende bereiten zu können oder doch eher verärgert, dass sie mich nun doch kostenlos reinlassen musste, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls waren wir beide froh, dass sich unsere Wege trennen konnten. Umso mehr habe ich den Rundgang auf diesem historischen Ort genossen, einschließlich einem Haufen meist angetrunkener Väter mit samt Söhnen nach der Parade und einem immerhin modernen und abwechslungsreichen Museum unter Deck. Ob sie nun den berühmten Schuss am 25. Oktober 1917 abgegeben hat oder doch nicht, wird wohl ungeklärt bleiben, der Mythos jedenfalls lebt.

Solchermaßen eingestimmt, bin ich zum Finnischen Bahnhof gelaufen, wo rein gar nichts an Lenins Ankunft erinnert, sieht man von dem Denkmal auf dem Vorplatz ab. Ob die große Uhr in der Wartehalle zu sowjetischen Zeiten auf der Stunde von Lenins Ankunft aus dem Exil stand, habe ich leider damals versäumt zu überprüfen. Jetzt jedenfalls tickt sie richtig und außer mir hat wohl niemand an Iljitsch gedacht.

Doch damit nicht genug, nächste Station war das Taurische Palais. In einem schönen Park gelegen ist es als Regierungsgebäude nicht zugänglich. Dasselbe gilt auch für das Smolny-Instiut, aber der Geist war eindeutig zu spüren. Hier waren sie wieder, die wogenden Massen mit den roten und phantasievollen Fahnen des Sommers 1917 und der revolutionären Monate bis zum Frühjahr 1918. Wie oft wohl haben sie genau diesen Weg zwischen dem Sitz der Duma, der Provisorischen Regierung, des Petrograder Sowjets und der Konstituierenden Versammlung zum späterem Sitz des Sowjets und des Rats der Volkskommissare voller Hoffnung und Bangen für ihre Proteste, Kundgebungen und Demonstrationen gewählt?

Ich konnte jedenfalls beschwingt wieder an die Arbeit zur Vorbereitung der zweiten großen Revolutionsausstellung in Berlin zurückkehren. In Zürich ist die Ausstellung ja schon seit Februar zu sehen, in Berlin ist es im Oktober soweit. Ein Schelm, wer in den Daten einen historischen Bezug erkennt.

Foto: http://www.shm.ru/shows/10261/

Die Revolution mit den Augen von Kindern

vom 04.06.2017 15:04:39

… zeigt derzeit eine Ausstellung im Staatlichen Historischen Museum in Moskau. Zu sehen ist eine Auswahl aus einem Konvolut von Werken, die Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren 1917/1918 an zwei Moskauer Schulen auf Anregung ihres Kunstlehrers Vassilij Voronov (1887-1940) anfertigten. Mit ihrem direkten und unverstellten Blick gaben die Schüler ihre eigenen Beobachtungen von Demonstrationen, Lebensmittelschlangen und revolutionären Kämpfen wider. Die insgesamt 1.600 Zeichnungen stellen eine wichtige Quelle für die zeitgenössische Wahrnehmung der revolutionären Ereignisse dar.

In der Ausstellung sind sie kombiniert mit historischen Fotos der Zerstörungen Moskaus im Zuge der Revolutionskämpfe und Zitaten aus den Erinnerungen Voronovs, die in der Sowjetunion nicht erscheinen durften, da sie vielfach negative Bewertungen der Oktoberrevolution und den Hinweis auf ein mangelndes Interesse der Kinder und Jugendlichen enthielten.

Wie so häufig in russischen Ausstellungen erschließen sich viele Geschichten und Bezüge nur in einer Führung, da erläuternde Texte und Objektbeschriftungen fehlen. Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni zu sehen. Im Herbst eröffnet das Museum die große Sonderausstellung „Die Energie der Revolution“ im ehemaligen Lenin-Museum.

Foto: http://forum.aktuell.ru/foto/v/russland-fotografen/achim/aussenministerium-moskau.jpg.html

Welche Bedeutung hat die Russische Revolution heute noch?

vom 28.05.2017 15:02:24

Diese Frage konnte ich neulich Michail Schwydkoj stellen, dem außerordentlichen Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation in Fragen der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und Tausendsassa der russischen Kulturlandschaft. Zu sehen und zu hören sein wird seine Antwort in der Ausstellung am DHM, die am 17. Oktober eröffnet wird.

Der Termin führte mich zum ersten Mal in das Zuckerbäckergebäude des russischen Außenministeriums. Herr Schwydkoj nutzt dort das ehemalige – und weitestgehend unveränderte – Büro von Jurij Brezhnew, dem Sohn des früheren Staatsoberhauptes. Nur gut, dass die sowjetische Einrichtung die Kreativität und Fantasie offenbar nicht beeinträchtigt. Der Kunsthistoriker, Kulturjournalist, Autor und Dozent Schwydkoj jedenfalls sprüht vor Ideen und Tatkraft.


Ausstellung des Staatlichen Russischen Literaturmuseums im Russischen Haus

vom 30.04.2017 05:02:47

In der Zeit vom 23. März bis 2. Mai ist im Russischen Haus in der Friedrichstraße eine (ins Deutsche übersetze) Wanderausstellung und des Literaturmuseums aus Moskau zu sehen, mit dem wir auch für die Revolutionsausstellung im DHM zusammenarbeiten. Gegenstand sind 12 Schriftsteller und ihre Reaktionen auf die revolutionären Ereignisse des Jahres 1917.

Zwölf mehrteilige Ständer sowie Reproduktionen von Kunstwerken und Designentwürfen vermitteln ein vielfältiges und aufschlussreiches Bild von der Kulturszene dieser Jahre. Die Gestaltung der Ausstellung macht das Lesen leicht und präsentiert die Biographien, Zitate, Dokumente, Fotos und Abbildungen von Kunstwerken abwechslungsreich und doch unaufdringlich.

Der Einführungstext berichtet über die Einstellungen der Schriftsteller, eine Kontextualisierung der historischen Ereignisse fehlt jedoch leider. Dennoch lohnt sich der Besuch, sie gib einen Einblick in die wirklich einmalige Sammlung des Moskauer Museums, die so viel mehr zu bieten hat, als nur Bücher! Schade, dass wir nicht mehr davon in unserer Ausstellung werden zeigen können.

Foto: http://www.kommersant.ru/doc/3187062
Foto: http://www.kommersant.ru/doc/3187062

Geheime Akten zur Russischen Revolution

vom 13.02.2017 09:49:44

Gestern auf dem Pressefrühstück im Deutschen Historischen Museum tauchte die Frage auf, ob wir bei unserer Ausstellung denn auch die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigen, die in den letzten 20 Jahren nicht zuletzt auf der Grundlage von Quellen und Dokumenten aus den russischen Archiven entstanden sind. Abgesehen davon, dass sich wissenschaftliche Forschungen für die Bescher in einer Ausstellung nur schwer abbilden lassen, sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Wir versuchen, mit der Lektüre der neusten Literatur à jour zu bleiben, lassen uns von einem Gremium wahrer Revolutionsexperten im Fachbeirat beraten und haben Historikerinnen und Historiker gebeten, die aktuellen Perspektiven auf die Russische Revolution im Essayband dazulegen.

Wie schwierig es aber weiterhin ist, mit den entsprechenden Akten in den russischen Archiven zu arbeiten, legt ein interessanter Artikel –nach einem Selbstversuch der Recherche – im russischen „Kommersant“ dar (16.1.2017). Demnach sind zahlreiche Akten noch immer gesperrt bzw. nicht zugänglich. Dazu gehören offenbar persönliche Materialsammlungen, etwa von Lenin oder Krupskaja, ebenso wie Briefe oder die Akten zur Konfiskation kirchlicher und anderer Kulturgüter nach der Revolution. Der Autor stellt zurecht die Frage, wie man sich zum 100. Jahrestag ein vollständiges Bild von den Ereignissen machen soll, wenn ausgerechnet die Akten der Revolutionsführer noch immer nicht zugänglich seien?  Er schließt mit den philosophischen Worten: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Das größte Geheimnis der Revolution bleibt auch weiterhin die Revolution selbst.“ Das allerdings verschafft weiteren Generationen von Historikern ein Auskommen und ist doch außerdem ganz nach russischem (Verschwörungs-)Geschmack…

Screenshot https://project1917.ru
Screenshot
https://project1917.ru

Aktuelles zur Interpretation der Revolution

vom 10.12.2016 16:28:21

Über die Leitlinien zur Interpretation der „Großen Rußländischen Revolution“ durch den Kulturminister Vladimir Medinskij wurde hier schon berichtet. In der Zwischenzeit hat sich nun auch Vladimir Putin zu Wort gemeldet, wobei insbesondere seine Äußerung, die Revolution sei eigentlich gar nicht nötig gewesen, zu heftigen Diskussionen führte. Vom Sicherheitsrat war dieser Tage zu hören, dass man in der Präsidialverwaltung der Ansicht sei, jedes „Bemühen der Bedeutungsfüllung des Jahrestages der Revolution in Russland [sei] ausschließlich das Prärogativ der wissenschaftlichen Gesellschaft“. Sicherheitshalber aber war man hier zugleich der Meinung, angesichts dieses problematischen Jahrestages solle man besser die Falsifizierungskommission wieder zum Leben erwecken.

Wie kompliziert der Umgang mit dem Jahrestag ist, weil dieser so gar nicht in das nationale Narrativ des imperialen Russland passen will, legt der Journalist Fedor Krascheninnikov dar und Michail Zygar eröffnet ein Portal unter dem Motto „1917. Freie Geschichte“. Derweil streiten die Gemüter über den Spielfilm „Mathilda“, der Ende März 2017 in die Kinos kommen soll. Die darin verarbeitete Liebesaffäre des Zaren Nikolaus II. mit der Ballerina Mathilda Kschesinskaja eint wieder einmal Kirche und Politik in ihrer Kritik.

Die breite Gesellschaft ist, fast möchte man sagen, wie eh und je, in Rote und Weiße gespalten, wie meine persönlichen Begegnungen nahelegen. Der Aufruf Medinskijs zur nationalen Einheit scheint jedenfalls bisher ungehört zu bleiben. Es bleibt spannend!

Foto: © ITAR-Tass 1997, gesehen auf: http://www.dekoder.org/de/article/lenin-balsamiert-mausoleum-moskau
Foto: © ITAR-Tass 1997, gesehen auf:
http://www.dekoder.org/de/article/lenin-balsamiert-mausoleum-moskau

Lenin on the Train

vom 26.11.2016 14:16:05

Pünktlich zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution ist er wieder en vogue: Lenin in seinem Mausoleum auf dem Roten Platz. Seiner berühmten Reise aus der Schweiz nach Petrograd mit dem Zug durch Deutschland widmet Catherine Merridale ihr neues Buch („Lenin on the Train“, soeben erschienen bei Penguin Radom House, UK). Sie nimmt ihren Leser mit durch Räume und Zeiten und entfaltet ein ebenso detailreiches wie spannendes Panorama der Revolution. Putin denkt derweil darüber nach, ob der Revoultionsführer nicht endlich begraben werden soll, und die meisten Russen unterstützen diese Idee. Der umtriebige Kriminalbiologe Mark Benecke hat den Zustand der Leiche begutachtet, und so mancher erinnert sich dieser Tage an die eigenen Besuche im Mausoleum. Auch die transnationale Suche nach dem Pokemon macht vor dem Heiligtum nicht halt. Es bleibt also spannend, wie es mit dem Leichnam weitergeht, aber im kommenden Jahr wird er vermutlich erstmal wieder viele alte und neue Besucher haben.