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Das Museum im Chrenovskij Pferdegestüt/музей в Хреновском конезаводе Foto: http://www.osd.ru/txtinf.asp?tx=2785
Das Museum im Chrenovskij Pferdegestüt/музей в Хреновском конезаводе
Foto: http://www.osd.ru/txtinf.asp?tx=2785

Auf den Spuren der russischen Pferdezucht

vom 04.10.2015 15:18:52

Meine Projekte und Publikationen bewegen sich, wie auf dieser Website dargestellt, in der Schnittmenge von Russland, Geschichte und Museum. Eigentlich müsste ich noch einen vierten Schwerpunkt hinzufügen, der auf den ersten Blick nicht so recht dazu passen will: Pferde. Hier liegt mein Schwerpunkt zugegebenermaßen in der Freizeit, aber es gibt doch immer wieder fließende Grenzen zu beruflichen Projekten.

Aktuell verbinden sich Russland, Geschichte, Museum und Pferde in Recherchen zur russischen Emigration nach der Revolution 1917. Auf den Spuren der Familie Orlow stoße ich auf das erste Gestüt der russischen Traber, der Orlowpferde. Es liegt gut 600 km südlich von Moskau im Gebiet Voronezh – ohne Zweifel eines meiner nächsten Ziele für die Museumsstreifzüge. Es erinnert mich an die Anfänge meiner Museumsrundgänge (aber das ist eine eigene Geschichte) und ich stelle fest, dass zu meiner Arbeit eine immer wiederkehrende Begegnung mit der russischen Pferdezucht und Reiterei gehört. Noch zu Sowjetzeiten bin ich Bitca geritten, später in Sokolniki und zuletzt drei Jahre in Minsk – dank persönlicher Kontakte zu offiziellen Vertretern des Reitsports immer auf Spitzenpferden und mit professionellem Training. Die vielen Geschichten vom Protokollschreiben für kapriziöse Dressurrichter aus Deutschland auf internationalen Turnieren, die Übersetzungen von – teilweise grotesk anmutenden – Gesprächen über Kooperationsmöglichkeiten (Ankauf eines Hengstes aus Deutschland oder doch lieber Sperma?) sowie unvergessliche Erlebnisse in diversen VIP-Lounges auf Turnieren gehören wohl nicht in diesen Blog. Ich hatte davon in meinem Belarus-Blog berichtet.

Und doch holen mich Pferd und Reiter in Russland/Belarus immer wieder ein, nun eben über die Orlow-Traber und einen der heutigen Vertreter dieses alten russischen Adelsgeschlechtes. Aber ich bin auch nicht die einzige, die erkannt hat, dass man Russland zwar nie ganz, aber ein bisschen besser nur über seine Pferde verstehen kann: Der Regisseur Thorolf Lipp bereitet im Auftrag von ZDF/arte eine 5-teilige Dokumentation über die „Russlands Pferde“ vor. Ich kann es kaum erwarten!

По следам русского конезаводства

Мои проекты и публикации передвигаются, как представлено на этой веб-странице, в пересечении России, истории и музеев. Правда, я должна была бы добавлять еще четвертый аспект, который на первый взгляд как-то не подходит к этому: Лошади. Разумеется, тема связана со свободным временем, но, все же, снова и снова влияет на мои профессиональные проекты.

В настоящее время Россия, история, музей и лошади связываются в моих поисках по русской эмиграции после революции 1917 г. По следам семьи Орловых я сталкивалась с первом конном заводом легендарной орловской рысистой породы лошадей. Он лежит 600 км в юге от Москвы в Воронежской области – без сомнения одна из моих следующих музейных экскурсий. Это напоминает мне в истоках моих экскурсий по русским музеям (однако, это другая история) и я понимаю, что всегда возвращаюсь к русскому конезаводству и конному српорту. Еще в советские времена я каталась в Битце, попозже в Сокольниках и в конце три года в Минске – благодаря личным контактам с официальными представителями конного спорта всегда на лошадях вышего класса и с профессиональной тренировкой. Много анекдотов о поддержке капризных немецких судей по выездке на международных соревнованиях, переводе – частично абсурдных – переговоров о возможной кооперации (пркупать жеребца из Германии или все же сперму?) а также незабываемых встречах с VIP спортсменами пожалуй не принадлежат в этот блог. Я рассказала об этом в своем блоге из Беларуси.

И, все же, лошади и всадники в России / Беларуси сопровождают меня, теперь как раз в рамках поисков одного из сегодняшних представителей старого русского дворянского рода. Но я, кажется, не единственная, которая поняла, что понимать Россию полностью не возможно, но немного лучше только через истории ее лошадей: Режиссер Торольф Липп по поручению немецкого телевидения подготавливает 5-частную документацию о „лошадях России“. Я едва ли могу ожидать ее!

Das Militärmuseum in Budapest. Foto: http://www.militaria.hu/
Das Militärmuseum in Budapest.
Foto: http://www.militaria.hu/

Museumsstreifzüge – Folge 2

vom 27.09.2015 14:11:13

Mein zweiter Ausflug in die unendlichen Weiten unbekannter Museen – und diesem war auch der unten angefügte, zweite Text in der Mitarbeiterzeitung des DHM gewidmet – führte mich 2002 nach Budapest ins dortige Militärmuseum und das Nationalmuseum. Auch dorthin musste ich seitdem leider nicht noch einmal zwecks Recherchen. Es gebietet also das Minimum an Höflichkeit, die aktuellen Internetauftritte der genannten Museen zu besuchen, um meine veralteten Beobachtungen als solche zu entlarven.

Dabei stellt sich allerdings sogleich die Frage, ob mein damaliges Urteil über Ungarn – nämlich die Fahne westlich-zivilisierter Sitten und Gebräuche in mitten des östlichen Europas hochzuhalten – nicht eher entgegengesetzt korrigiert werden muss. Immer vorausgesetzt, als „westlich-zivilisiert“ zu gelten sei erstrebenswert, erhält Ungarn ja wohl schon seit einigen Jahren erheblichen Punktabzug, was den Umgang mit der Kultur im eigenen Land angeht. Ganz anders freilich sehen es wohl die meisten Ungarn selber, wenn man zudem noch die aktuelle Anwendung „westlich-zivilisierter“ Standards in der nationalen Willkommenskultur in den Blick nimmt. Aber das ist natürlich ein anderes Thema.

Trotzdem passt dazu irgendwie die, wie ich finde, durchaus überraschende Feststellung, dass das Militärmuseum es offenbar bis heue nicht zu einer Website in einer über die Landesgrenzen hinaus gebräuchlichen Sprache gebracht hat. Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Oder hat das am Ende mit dem Wandel im Land zu tun und war früher einmal anders?

Für das Nationalmuseum verspricht mir der Wikipedia-Eintrag eine Homepage auf ungarisch, deutsch, englisch, italienisch und spanisch (Stand 2008!). Falls es nicht an meinem technischem Unvermögen liegt, was ich natürlich nicht ausschließen kann, dann wurde die aktuelle Version der Website auf ungarisch und englisch reduziert. Ein Schelm, wer einen Rückzug aus Europa und das maximale Zugeständnis an die Sprache der britischen Europaskeptiker darin erkennen möchte. Oder ob es doch daran liegt, das noch immer keiner verstanden hat, was es mit Trianon auf sich hat?

Hier geht’s zum Text.

Blick in die Ausstellung, 2002
Blick in die Ausstellung, 2002

Museumsstreifzüge

vom 20.09.2015 13:38:28

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht in der Recherche nach Exponaten in russischen, belarussischen und anderen (osteuropäischen) Museen. Angefangen hat das damals mit der Ausstellung zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (2004), als ich zwischen 2001 und 2003 im Auftrag des Deutschen Historischen Museums nach Russland, in die Ukraine, nach Litauen, Ungarn und Serbien gefahren bin, um Leihgaben zu recherchieren, die wir später in der Ausstellung gezeigt haben.

Diese Erfahrungen waren Gold wert, seitdem bin ich immer wieder für verschiedene Museen unterwegs, um Exponate zu suchen. Allmählich kenne ich viele russische Sammlungen ziemlich gut, noch wichtiger sind aber die persönlichen Kontakte zu den Kollegen. Schon bald werde ich für ein neues Projekt wieder nach Russland Belarus und in die Ukraine aufbrechen.

Das eine sind die Ergebnisse der Exponatsuche, das andere die (inter-)kulturellen Eindrücke, die ich dabei sammele. Diese will ich hier in einer neuen Reihe unter dem Schlagwort „Museumstreifzüge“ veröffentlichen. Zur Einstimmung beginne ich mit früheren Texten, die damals in der Mitarbeiter-Zeitung des DHM erschienen sind. Den Anfang macht das Museum der Grenzregimenter in Moskau – ein unwiederbringliches Erlebnis. Vermutlich hat sich vieles seitdem in dem Museum geändert, wenn ich mich nicht täusche schon allein die Unterordnung unter den FSB, die es damals noch nicht gab. Leider hatte ich nach meinem Besuch 2002 nichts mehr mit dem „Museum der Grenzregimenter“ zu tun – schade eigentlich!

Hier geht’s zum Text.

Foto: Andris Breže: Dove of Peace, 2014 http://museumspoliticsandpower.org/2014/03/24/museum-politik-blitzlicht-nationales-kunstmuseum-lettland/
Foto:
Andris Breže: Dove of Peace, 2014
http://museumspoliticsandpower.org/2014/03/24/museum-politik-blitzlicht-nationales-kunstmuseum-lettland/

19X14 – Konferenzdokumentation zur Ausstellung in Riga erschienen

vom 13.09.2015 16:25:00

Nach gut einem Jahr sind die Beiträge zu vier Konferenzen im Vorfeld der Ausstellung „1914“ im Lettischen Nationalmuseum in Riga in einer Ausgabe der Reihe „Museumsschriften“ 6/2015 erschienen. Ich hatte das Glück, diese Ausstellung zu sehen, als ich bei einer dieser Tagungen einen Vortrag über die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Russland gehalten habe.

Zwar ist die Aufmerksamkeit für den 100. Jahrestag seit Ausbruch des Weltkrieges in der Zwischenzeit deutlich zurückgegangen. Umso wichtiger erscheint es mir, mit dem Katalog und nun dieser Konferenzpublikation an diese, wie ich finde, sehr wichtige und besondere Ausstellung zu erinnern. Im Zentrum stand die Bildende Kunst dieser Jahre aus Ländern, die wir hier oft aus dem Blick verlieren: Polen, das Baltikum, Finnland, Serbien, Kroatien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Dabei stellte sie die Kunst um 1914 in Beziehung zu aktuellen Kunstwerken (siehe das Foto) und fragte nach der europäischen Identität heute. Damit leistete sie einen innovativen Beitrag zum Programm der Kulturhauptstadt, die Riga 2014 war.

Über die Ausstellung und ihren Anspruch hatten wir in unserem ICOM-Konferenzblog „Museum, politics and power“ http://museumspoliticsandpower.org/berichtet.

19X14 Появлялась документация конференции к выставке в Риге

Через год появилась публикация докладов несколько конференций к выставке „1914 г.“ в Национальном музее Латвии в Риге в издании „Музейные записи“ 6/2015. У меня было счастье увидеть эту выставку, когда я читала доклад о воспоминании о Первой мировой войне в России во время одного из этих заседаний.

Правда, внимание к 100-ой годовщине с начала мировой войны успокоило. Тем важнее мне кажется каталогом и теперь публикацией напоминать о этой важной выставке. В центре – изобразительное искусство этих лет из стран, которые мы на западе часто не принимаем достаточно во внимание: Польши, Прибалтики, Финляндии, Сербии, Хорватии, Венгрии, Чехии и Словакии. Кроме этого выставка связала искусство из годов около 1914 г. с актуальными художественными произведениями (смотрите фотографию) и спрашивала о европейской идентичности сегодня. Вместе с тем она вносила инновационный вклад в программу культурной столицы, которой была Рига в 2014 г.

О выставке и ее концепции мы сообщили в нашем блоге к конференции ICOMа „музей и власть“.

Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/
Foto: http://minsknews.by/blog/2015/08/29/v-minske-predstavili-12-strategiy-sovremennogo-belorusskogo-iskusstva/

Museumsnews Belarus

vom 06.09.2015 16:41:09

Jedes Mal, wenn ich nach Belarus fahre, um Freunde und Kollegen zu treffen, wird mir die ganze Tragik der Berichterstattung über dieses Land erneut vor Augen geführt. Diese lässt sich, unbeeindruckt von der Ukraine-Krise, der jüngsten Freilassung aller (!) politischen Gefangenen und einer im Detail durchaus differenzierten Entwicklung, mit den Worten zusammenfassen „Im Osten nichts Neues“. Dies entspricht in der Tat dem nach außen sichtbaren Bild, und was die Museen betrifft, sagte mir die Kuratorin Olga Rybchinskaja, dass sich seit Jahren eigentlich nichts tut, es geht nicht vor und nicht zurück. Jeder macht, so gut es geht, „sein Ding“, realisiert Projekte, treibt Geld auf und nutzt den vorhandenen Freiraum für sich.

Was pragmatisch klingt und angesichts der stagnierenden politischen Situation auch ist, bildet die Realität aber nur zu einem Teil ab und darüber wird bei uns so gut wie nie berichtet. Die Menschen sind voller Energie, entwickeln immer neue Ideen und Initiativen, setzten unermüdlich neu an und bewahren neben Geduld und Pragmatismus nicht zuletzt Spaß an ihrer Arbeit und Lebensfreude.

Ich kann das freilich nur für den Museumsbereich beurteilen, dort gib es allerdings viele Beispiele. Allen voran das Nationale Historische Museum. Hier ist die Lage weiterhin desolat, etwas substantiell Neues gibt es nicht zu berichten: Das Gebäude in der Karl-Marx-Straße ist zu klein, in schlechtem Zustand, eine zusammenhängende Dauerausstellung fehlt, die Sonderausstellungen leiden häufig an Professionalität. Im letzten Jahr kam es noch schlimmer: Die Sammlungen, größtenteils untergebracht im alten Gebäude des Museums der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) gelagert, das für den Abriss bestimmt war, mussten umziehen und befinden sich seitdem an fünf Standorten in der Stadt, deren Bedingungen man erst gar nicht näher beleuchten möchte. Nun ist der Geduldsfaden gerissen, die Leitung hat sich, sozusagen, als letztes Aufgebot, an die Regierung gewandt, diesen Zustand zu beenden. Die Presse hat ausführlich über den Verfall des nationalen Kulturerbes berichtet (Культура 35 (1213), 29.8.2015) und man wünscht sich, dass die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird. Nachdem sich schon der Umzug in ein neues Gebäude vor einigen Jahren erledigt hat, weil man dort nach Jahren der Neukonzeption des Museums doch lieber eine Sicherheitsbehörde untergebracht hat, träumen die Kollegen nun von einem Neubau an der Stelle, wo das alte Gebäude des Museums GVK in der Zwischenzeit abgerissen wurde. Vermutlich wird das leider ein Traum bleiben.

Eher ein Albtraum war dagegen wohl der Umzug des Museums GVK. Nachdem der Direktor, Vitalij Skobeljov, die Herkulesaufgabe der Neueröffnung 9. Mai 2014 kurzfristig von dem kurzerhand gefeuerten Sergej Azaronok übernommen hatte, ist ihm nun offenbar klar geworden, dass es mit der Eröffnung nicht getan ist und die eigentlichen Probleme der Bauabnahme, der Anpassung der unter Druck eröffneten Ausstellung und vor allem der Aufrechterhaltung des öffentlichen Interesses jenseits der Jahrestage jetzt erst anstehen. Das will er sich, wer will es ihm verdenken, nicht antun und hat gekündigt. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen. Der alte Direktor zieht seine Fäden.

Eine Konstante, um nicht zu sagen: Fossil des Museumsbetriebs ist derweil der Direktor des Nationalen Kunstmuseums Vladimir Prokopcov, der ungeachtet aller Herausforderungen mit bewundernswerter Konsequenz seine Idee des Museumsquartals rund um das zentrale Gebäude seines Hauses verfolgt. Offenbar geht es gut voran, geplant sind weitere Ausstellungsflächen, ein zentraler Servicebereiche und ein nationales Restaurierungszentrum.

Eine bislang verschlagene Filiale des Kunstmuseums erwacht derweil unter seinem neuen Direktor zu seinem Leben, das Museum „Haus der Vankovichi“ . Dort herrscht seit kurzem Sergej Vecher, vormals Direktor des Nationalen Historischen Museums, wo das Kulturministerium ihn wegen des freilich von ihm nicht verursachten abgesagten Umzugs in das oben genannte Gebäude gefeuert hat. Nun hat er eine lange Liste neuer Ideen für das Herrenhaus aus 18./19. Jh. und will es zu einem zentralen Begegnungsort in Minsk machen.

Ein Treffpunkt für die junge Kunstszene ist schon seit längerem das Zentrum für zeitgenössische Kunst geworden, das nun zum 1. Oktober mit dem Museum für zeitgenössische Kunst zusammengeführt wird. Leiterin wird weiterhin Natalja Scharangovich sein, die Grande Dame der aktuellen Kunst- und Künstlerszene, die seit Jahren unermüdlich daran arbeitet, ihre Landsleute an Gegenwartskunst zu gewöhnen. Dazu gehört aktuell ein Skulpturenpark im „Park des Sieges“, der belarussische Pavillon auf der Biennale in Venedig und die Eröffnung einer großen Ausstellung „12 Strategien“ mit Arbeiten der zwölf renommiertesten belarussischen Gegenwartskünstler. Diese Ausstellung verdankt die Stadt Minsk einer Absage der Chinesen, wohin die Arbeiten eigentlich schon gereist sein sollten. Ob dieser Plan aufgehoben oder aufgeschoben ist, ist unbekannt. Ein Katalog auf belarussisch, englisch und chinesisch liegt vor, man steht in den Startlöchern. Auch in Polen ist belarussische zeitgenössische Kunst zu besichtigen, derzeit in einer Ausstellung in Bialystok.

Angesichts dieser Vielfalt ist es bedauerlich, dass ICOM Belarus kaum in Erscheinung tritt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Museen nicht Mitglied werden dürfen und der Beitrag für Einzelpersonen oft zu hoch ist, aber auch an den unvermeidlichen Intrigen unter den Museumsdirektoren und anderen Kollegen.

Folglich hat nicht ICOM, sondern die Redaktion des Kulturmagazins Arche ein wunderbares Museumsheft herausgebracht, das einen durch das Prisma kritischer Autoren ein Schlaglicht auf die aktuelle Museumslandschaft wirft. Unter den Autoren ist freilich kein Museumsmitarbeiter und so gerät der Blick eher philosophisch-kulturwissenschaftlich, was das Verdienst, diese Thema in einem Sonderheft aufgegriffen zu haben, nicht schmälert.

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Das neue Museum des „Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk

vom 19.08.2015 10:57:30

Das 2014 wiedereröffnete „Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges“ in Minsk scheint das hierzulande weit verbreitete Bild von Belarus zu bestätigen: Das Land, sein Präsident und die Bevölkerung sind in der Sowjetunion stehengeblieben. Aber der Schein trügt, bei näherer Betrachtung entdeckt man überall Ambivalenzen und Zwischentöne, die fast alle Bereiche von Politik und Gesellschaft in der „letzten Diktatur Europas“ ausmachten. Dies spiegelt auch das Museum eindrücklich wieder: Der alte Partisanenmythos wird geradezu liebevoll geprägt, schwierige Themen wie die Stalinschen Repressionen praktisch ausgespart und die ruhmreiche Sowjetunion enthusiastisch gefeiert. Und doch setzt sich die Entwicklung fort, die schon in der Ausstellung im alten Gebäude begonnen hatte: Der zunehmend differenzierte Einsatz musealer Vermittlungsformen begleitet die, zugegeben sehr zögerlichen inhaltlichen Entwicklungen, und öffnen damit ein Feld kritischer Auseinandersetzung, das zu erweitern sich lohnt. Wie genau das Museum mit dem ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umgeht, ist Gegenstand meiner Analyse, die kürzlich in Zeitgeschichte-Online erschienen ist. Eine ausführliche Version des Textes findet sich hier.

Foto: http://www.ibb-d.de/trostenez.html
Foto: http://www.ibb-d.de/trostenez.html

Eine Gedenkstätte in Malyj Trostenec

vom 19.08.2015 10:46:46

Einer bisher unendlich erscheinenden Geschichte wird derzeit ein weiteres Kapitel hinzugefügt: Den Plänen für eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen Vernichtungslager bei Minsk in Belarus. Am 22. Juni, dem Jahrestag des Überfalls des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion, eröffnete Präsident Lukaschenko einen „Gedenkkomplex“ auf dem historischen Gelände des ehemaligen Lagers.

Zu dem nun öffentlich zugänglichen Teil der Gedenkanlage gehört neben der zentralen Skulptur „Tor der Erinnerung“ des Künstlers Konstantin Kostjučeno die Überformung von Gebäuderesten, die bei den Bauarbeiten entdeckt wurden und möglicherweise Reste des Hauses des Lagerkommandanten sind. Genau kann man das nicht sagen, Informationstafeln gibt es nicht und so hat man denn auch gleich weitere „Reste“ hinzugefügt, um eine Lagerstruktur anzudeuten, von der wir aber nicht wissen können, ob sie denn so war. Originalteile des Lagers haben sich keine erhalten. Außerdem aufgestellt wurden zwei Eisenbahnwaggons aus den 40er Jahren, die aber ebenfalls mit den Transporten nach Trostenec nicht in Verbindung gebracht werden können und auch nicht dort aufgestellt wurden, wo die Transporte ankamen. Was klingt, wie ein fahrlässiger und ärgerlicher Umgang mit der Geschichte, ist in der Tat aber eine kleine Revolution. Seit Jahren schleppen sich die Pläne, am historischen Ort an die Gewalttaten der deutschen Besatzer zu erinnern, dahin. Seit ca. zwei Jahren nimmt das Projekt nun Fahrt auf, die städtische Architektengruppe „MinskProjekt“ unter der Leitung von Anna Aksjonova legte Entwürfe für einen Teil des historischen Geländes vor. Das jetzt angelegte Gelände ist der erste von zwei Teilen, die gemäß diesen Plänen neu gestaltet werden sollen. Dazu gehören das Gelände des Gutes Malyj Trostenec, wo sich auch die Scheune befand, in der im Juni 1944 bis zu 6.500 Menschen erschossen und anschließend verbrannt wurden, und der Ort, an dem sich das Krematorium befand, in Šaškova. Dank der präsidialen Unterstützung des Vorhabens wird bald mit dem zweiten Teil zu rechnen sein. Am 8. Juni 2014 fand die Grundsteinlegung durch Lukašenka statt.

Besonders interessant an dem Projekt ist aber die Diskussion über ein drittes, einige Kilometer von den genannten Orten entfernt liegendes Waldgrundstück, das ebenfalls Teil der Geschichte des Lagers ist, die Blagovščina. Hierbei handelt es sich um den Ort, an dem die aus dem Ghetto hierher verbrachten Juden ermordet wurden. Ihre Gebeine liegen dort noch heute und sind Gegenstand makabrer, illegaler Ausgrabungsaktionen. Da der Holocaust in Belarus jahrelang erst ein Tabu, dann ein rein akademisches Thema blieb und erst allmählich in die gesellschaftliche Diskussion gelangt, wurde auch die Blagovščina aus dem Gedächtnis gestrichen. Bis heute erschwert ein eigens aufgeschütteter Erdwall den Zugang, aber nahe dem Erschießungsgebiet befinden sich ein Gedenkstein und zahlreiche gelbe Zettel der Initiative „IM-MER e.v.“ aus Wien, um an die vielen österreichischen Opfer zu erinnern. Offiziell ist der Ort nach wie vor ungeliebt und lange nicht Teil der Planungen für die Gedenkstätte gewesen.

Dis änderte sich dank der Initiative des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks n Dortmund, das seit Jahren im deutsch-belarussischen Dialog aktiv ist. Zusammen mit dem belarussischen Architekten und damaligem Vorsitzenden Leonid Levin stellten sie einen weiteren Entwurf für ein Denkmal in der Blagovščina vor. Das Engagement Levins, der 2014 verstarb, setzt nun seine Tochter und Architektin Galina Levina fort. Nach langen und kontroversen Diskussionen wurde das Projekt von offizieller Minsker Seite zum Teilprojekt der städtischen Planungen erklärt. Einen Vertrag gibt es bis heute nicht, was aber viel wichtiger ist, es gibt die Zustimmung des Präsidenten für die gemeinsame Planung. Damit ist davon auszugehen, dass das Projekt realisiert werden wird, wenn auch nicht in naher Zukunft. Dazu beigetragen hat sicherlich die Absichtserklärung der deutschen Seite, die Finanzierung dieses zweiten Denkmals zu sichern, was bisher durch Spenden und öffentliche Gelder auf einem guten Weg ist.

Begleitend, aber auch in der Absicht, damit die Grundlage für eine zukünftige Dauerausstellung bzw. Informationstafeln am Ort zu schaffen, hat das IBB zudem die Initiative für eine deutsch-belarussische Wanderausstellung für Schüler in beiden Ländern gestartet. Daran bin ich als Beiratsmitglied beteiligt, das Konzept haben wir dank der Finanzierung durch das Auswärtige Amt bereist in gemeinsamer Arbeit erstellt, es wird derzeit von allen Seiten geprüft. Wenn alles glatt läuft, dann soll die Ausstellung im September 2016 in Belarus und Deutschland eröffnen. Auch die Wanderausstellung wäre zunächst nur ein weiteres Kapitel der langen Geschichte dieses historischen Ortes, aber es gibt doch Hoffnung, dass wir das Ende der Geschichte noch erleben.

Foto: http://www.ibb-d.de/trostenez.html
Foto: http://www.ctv.by/novosti-minska-i-minskoy-oblasti/dekorativnye-vazy-minska-urozhaynye-korziny-s-fruktami-grecheskie

Architekturspaziergänge mit Galina Levina durch Minsk

vom 19.08.2015 10:40:25

Drei Jahre lang habe ich in Minsk gelebt, viele historische und neue Plätze gesehen und mit Galina viele Gespräche geführt. Und doch: Es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken. Wenn man sich nämlich mit ihr zu einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt aufmacht, mit denen Sie uns auf die Details in der Architektur aufmerksam machen will, die man im Alltag meist übersieht. Dazu gehören Brücken, Türme und Säulen, aber auch Türen und Vasen! In kurzen Filmen und vielen Fotos stellt die mit vielen Preisen ausgezeichnete Architektin und Tochter des im letzten Jahr verstobenen und hoch verehrten belarussischen Architekten Leonid Levin, ihre Entdeckungen auch im Internet vor, nachzulesen und zu –schauen: Hier

Foto: http://www.hlz.hessen.de/start/nachlese/rueck-2015/rueck-8mai.htmlFoto: http://www.hlz.hessen.de/start/nachlese/rueck-2015/rueck-8mai.html

8. oder 9. Mai – Wann und wie gedenkt Europa des Kriegsendes?

vom 19.08.2015 09:02:29

Die Erinnerungskultur verschiedener europäischer Länder sowie Japans war Gegenstand eines Symposiums der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung in Kooperation mit der Universität Mainz am 24. April in Frankfurt. Mein Beitrag bestand in einem kurzen Überblick über das Gedenken in Osteuropa. Während Russland nach wie vor am 9. Mai den „Tag des Sieges“ feiert, setzten sich die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken und osteuropäischen Staaten zunehmend davon ab. Bis heute dauern die Diskussionen an, wie sie des Kriegsendes in einem nationalen und europäischen Rahmen gedenken wollen. Die Texte der Tagung sollen demnächst in einem Sammelband publiziert werden. Einen Einblick in das kollektive Gedächtnis in Deutschland für russische Leser konnte ich in der Mai-Ausgabe des russischen Museumsmagazin „Muzej“ publizieren.

8 или 9 мая – Когда и как Европа вспоминает конца войны?

Культура воспоминания в различных европейских странах и в Японии была предметом симпозиума Гессенского земельного центра Политического образования в кооперации с университетом города Майнца в 24 апреля во Франкфурте. Мой взнос существовал в коротком обзоре воспоминания в Восточной Европе. В то время как Россия по-прежнему празднует „день победы“ в 9ого мая, другие бывшие советские республики и восточноевропейские государства меняли праздничную практику. До сегодняшнего дня дискуссии продолжаются, как они хотят помнить конца войны в национальной и европейской рамке. Скоро тексты конференции опубликуются в сборнике. Текст о коллективной памяти в Германии для русских читателей я уже могла публиковать в майском издании русского музейного журнала «Музей».

Foto: http://war.photocentre.by
Foto: http://war.photocentre.by 

Belarus auf der Biennale in Venedig

vom 19.08.2015 08:50:15

In diesem Jahr ist Belarus wieder einmal auf der Biennale in Venedig vom 9. Mai bis 22. November 2015 vertreten, und zwar mit dem Projekt „Zeitzeugenarchiv des Krieges“ (Архив свидетеля войны). Kuratoren sind Aleksej Šinkarenko und Olga Ryčinskaja. Leitend beteiligt ist Natalja Šarangovič, Direktorin des Museums für zeitgenössische Kunst in Minsk (und Enkelin des belarussischen Künstlers Vassilij P. Šarangovič).

Das Projekt greift Fragen der Zeitzeugenschaft ausgehend von originalen Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg aus belarussischen Museen auf. Die Besucher sollen, angeregt durch die Betrachtung der Fotografien, eigene Erinnerungen aus der Familiengeschichte oder vom Ihnen selbst erlebten Kriegen beitragen und sich auf diese Weise damit auseinandersetzen, was es bedeutet, Zeitzeuge zu sein. Ihre Reaktionen, Gedanken und Gespräche mit den Kuratoren werden digital festgehalten, die Besucher werden damit Teil des Projekts, das sich mit und durch sie weiterentwickelt. Übrigens befassen sich auch andere osteuropäische und zentralasiatische Länder mit Photographie und Geschichte.

Leider gab es schon in der Vorbereitung des Projekts zahlreiche (bürokratische und formale) Probleme, am 11.5. musste der Pavillon bereist aus finanziellen Gründen schließen und zeigt nun das Projket in einer abgeänderten Form. Wie es scheint, sind die zugesagten Mittel der belarussischen Regierung nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden. Leider ist dies ein weiterer Beleg für die mangelnde Unterstützung der zeitgenössischen Kunst in Belarus im Allgemeinen. (Interview mit dem Kurator) Entsprechend ist auch niemand vom Kulturministerium zur Eröffnung gekommen.

Ich begleite das Projekt schon eine ganze Weile, habe in andern Zusammenhängen mit Olga Ryčinskaja und Natalja Šarangovič zusammengearbeitet. Für die Begleitpublikation zur Präsentation in Venedig habe ich einen Beitrag geschrieben. Es ist vorgesehen, das Projekt auch jenseits der Biennale weiter zu entwickeln und an anderen Ort zu zeigen. Das Schwedische Armeemuseum in Stockholm hat bereits Interesse signalisiert.

Hier die Fakten zum Pavillon.