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Foto: http://milmed.spb.ru/
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Streifzüge durch unbekannte Museen – Folge 8: Das Kriegsmedizinische Museum in St. Petersburg

vom 13.02.2016 07:33:08

Hier stimmt es leider: Das Kriegsmedizinische Museum in Petersburg ist weniger bekannt, als es sein sollte. Seit vielen Jahren führen mich Ausstellungsprojekte dorthin – ein völlig unterschätztes Haus, meiner Ansicht nach. Wenn ich Medizinhistorikerin oder Mitarbeiterin eines unserer (häufig ebenfalls unterschätzten) Medizinhistorischen Museen in Deutschland wäre, dann würde ich ununterbrochen Kooperationsprojekte mit den russischen Kollegen umsetzen. Ihr Depot ist eine wahre Fundgrube, was übrigens die Amerikaner schon lange entdeckt haben, die sich dort die Klinke in die Hand geben.

Kürzlich war ich auf den Spuren der Revolution wieder einmal dort, um nach Exponaten zu suchen und, ich kann es nicht anders sagen, meine Freunde zu besuchen. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Es soll seit Jahren eine neue Dauerausstellung geben, die Website wurde bereits komplett neu gestaltet. Überhaupt ist das Museum sehr aktiv, an vielen Projekten und Kooperationen beteiligt, nur eine Konstante trotzt der Modernisierung und ist doch zugleich ihr Motor: Der allgegenwärtige und allmächtige Direktor. Das erinnerte mich auch jetzt wieder an meinen Bericht für die DHM-Mitarbeiterzeitung von 2003. Und wie damals und all die Jahre, die ich das Museum und seine Mitarbeiter nun kenne, bleibt mir nur zu wünschen, dass das Museum mehr Aufmerksamkeit auch bei uns erfährt und seine unglaublich reiche Sammlung uns noch viele spannende Ausstellungen beschert.

Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Walentin_Alexandrowitsch_Serow
Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Walentin_Alexandrowitsch_Serow

Auf den Spuren der Revolution…

vom 06.02.2016 13:55:37

… habe ich derzeit mit der Tretjakov-Galerie zu tun. Bei der Suche nach geeigneten Exponaten zur Kunst und Kultur des vorrevolutionären Russlands stößt man unweigerlich auch auf den Maler Valentin Serov. Eine Auswahl seiner Werke ist monentan noch in einer Sonderausstellung in der sog. Neuen Tretjakov-Galerie zu sehen. Ich hatte im vergangenen Oktober die Gelegenheit, die Ausstellung zu sehen – eine wahre Freude, das sehr vielfältige Schaffen des Künstlers so konzentriert zu erleben. Allerdings sind viele seiner Bilder, die sich im Bestand der Tretjakov-Galerie befinden, auch sonst in der Dauerausstellung zu sehen, darunter auch sein berühmtes Gemälde „Das Mädchen mit den Pfirsichen“ (1887).

Dennoch erlebte die Ausstellung in der letzten Woche einen Ansturm, mit dem wohl niemand gerechnet hatte. Ob es der Besuch von Vladimir Putin war, der die Menschen aufgerüttelt hat, die Sehnsucht nach dem „guten, alten Russland vor der Revolution“ oder die nur allzu bekannte Überraschung, dass nur noch wenig Zeit bleibt, die Ausstellung zu besichtigen, muss wohl im Dunklen bleiben. Faszinierend ist vielmehr das Phänomen der Schlange, die sich vor dem Eingang bildete und ein Eigenleben entwickelte. Dies beschreibt sehr anschaulich ein Artikel auf der noch jungen Website www.dekoder.org – ein, wie ich finde, sehr wichtiges und interessantes Online-Angebot, das eine Lücke in der Berichterstattung zu Russland füllt.

Was die Schlange angeht, so kümmert sich die Militärhistorische Gesellschaft (!) um das leibliche Wohl der frierenden Besucher vor dem Eingang ins Museum. Zugleich schlängelt sich die Schlange durch das Internet. Dort beobachtete man Seltsames: „Eine Frau in der Schlange gebar einen Pfirsich“ und „In der Schlange beginnt die Sammlung von Unterschriften für ein Referendum über die Anerkennung ihrer Autonomie“. Diese stellt sie bereits unter Beweis, denn die „Schlange zur Serov-Ausstellung hat eine Gastspielreise durch Russland begonnen“. Was wird nur passieren, wenn die Ausstellung nach der Verlängerung schließt? Der Präsident jedenfalls macht sich große Sorgen: „Den Zerfall der Serow-Schlange bezeichnete Putin als eine der größten geopolitischen Katastrophen“. Was für ein Traum für die Kuratoren!

Foto: http://www.pic.com.ua/serebryanaya-svadba-po-belorussky-yly-welkome-to-kabaret.html
Foto: http://www.pic.com.ua/serebryanaya-svadba-po-belorussky-yly-welkome-to-kabaret.html

Die Revolution und Trostenec…

vom 22.01.2016 19:39:02

… gleich zwei meiner aktuellen Themen spricht die Sängerin Svetlana Ben‘ von der belarussischen Gruppe „Silberhochzeit“ in einem gerade erschienenen Interview an. Welche Faszination die Revolution von 1917 offenbar auch auf Kinder ausübt, belegt ihr Geständnis, bereits mit sechs Jahren auf der Haustreppe ein Theaterstück dazu entwickelt zu haben. Man kann es sich lebhaft vorstellen, wenn man die Künstlerin heute auf der Bühne sieht! Und Trostenec ist für sie ein Symbol der noch immer verdrängten Erinnerung an die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, die jenseits aller Schrecken der deutschen Besatzungsherrschaft, von den eigenen Machthabern verübt wurden. Was könnte eine stärkere Motivation sein, im IBB weiter an unserer Wanderausstellung für deutsche und belarussische Schüler zu arbeiten? Es ist bezeichnend, dass die Frage der Erschießungen durch den NKWD auf dem Gelände von Trostenec vor dem Einmarsch der Deutschen von Anfang an zu kontroversen Diskussionen geführt hat. Nicht locker in dieser Frage lässt der Historiker Igor Kuznecov. Auch wenn das offiziell keiner hören will, so lässt sich offenbar nicht verhindern, dass das Thema über andere Wege, wie dieses Interview, Verbreitung findet.

Революция и Тростенец …

… два моих актуальных тем – являются предметами в новом интервью певица Светланой Бень белорусской команды „Серебряная свадьба“. Каким увлечением, кажется, оказывает революция 1917 г. для детей – об эом свидетельстует ее признание, что она уже в шестилетнем возрасте устроила ее собственную пьесу по этой теме. Это не сложно себе представить смотря на ее сегодня на сцене! И Тростенец для нее является символом репрессированного памяти о преступлениях Второй мировой войны, какие, несмотря на все ужасы немецкой оккупации, были совершены советской властью. Какая может быть сильнее мотивация для продолжения работы над нашей передвижной выставкой для немецких и белорусских школьников? Правда, надо отметить, что вопрос о расстрелах НКВД на территории Тростенца до нападения немецких войск вызвал острые дискусии с самого начала. Постоянно об этом пишет историк Игорь Кузнецов. Хотя официально никто не хочет его слышать, кажется тема распостраняется по другим путям, например через интервью.

Lenin-Museum

Museumsstreifzüge – Folge 7: Das Lenin-Museum in Moskau

vom 15.01.2016 17:17:14

Wie schon der letzte Museumstreifzug nach Razliv, liegt auch dieser auf den Spuren der russischen Revolution, denen ich zur Zeit intensiv folge. Wieder einmal war ich zu Gast bei den Moskauer Kollegen des Staatlichen Historischen Museums, zu denen seit dem Ende der Sowjetunion auch das Lenin-Museum am Roten Platz gehört. Und natürlich musste ich auch dort wieder in die Tiefen der Depots abtauchen, um nach Exponaten zu suchen.

Es kommt mir selber schon komisch vor, aber auch in diesem Fall ist mein Bericht von 2003 für die Mitarbeiterzeitung des DHM noch immer aktuell: Die Keller sind, man kann es nicht anders sagen, vollgestopft mit Lenin-, Stalin- und anderen Büsten sowjetischer Helden und das Personal ist praktisch auch noch dasselbe. Kaum auszumalen, was passiert, wenn der langjährige Direktor und jetzige Mitarbeiter des Leninmuseums einmal nicht mehr da sein sollte, um sich zurechtzufinden.

Die Aufarbeitung der Bestände erfolgt allmählich durch Sonderausstellungen wie zuletzt 2014 in der Präsentation „Mythos des geliebten Führers“ http://www.shm.ru/shows/1113/ . Eine neue Dauerausstellung gibt es bisher nicht – wie überhaupt keine Dauerausstellung zum 20. Jh. im Staatlichen Historischen Museum. Ein Schelm, wer hier an Geschichtspolitik denkt.

Hier geht’s zum Museumsstreifzug.

Foto: http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/
Foto:
http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/

Museumsstreifzüge durch unbekannte Museen – Folge 6: Razliv Museum Center

vom 06.12.2015 12:24:48

Auf den Spuren der Revolution war ich kürzlich an einer der letzten Lenin-Kult-Gedenkstätten, und zwar in Razliv bei St. Petersburg. Es handelt sich um das letzte Versteck Lenins, bevor er es dort nicht mehr aushielt und Ende Oktober 1917 buchstäblich mit der Straßenbahn in die Stadt fuhr, um die Revolution anzuzetteln. Daran erinnert ein Museum, oder besser gesagt eine Gedenkstätte im wahrsten Sinne des Wortes, mit zwei Standorten, indem sie Lenins Lebensumstände zunächst im Hause eines Revolutionsgenossen, dann in einer Erdhütte (!) weniger dokumentiert als konserviert.

Verrückt ist, dass genau hier, vor den Toren der Metropole, die Gegensätze der russischen Gesellschaft anschaulicher nicht sein könnten: Neben verfallenen Holzhäusern im finnischen Stil stehen wahre Protzbauten der neuen Russen und solide Villen der Mittelklasse. Nur die wenigsten der traditionellen Bauten werden wieder in Stand gesetzt, vielmehr hört man, dass sie regelmäßig zufällig abbrennen, um teuren Bauplatz frei zu machen.

Der Kult um die mehrfach wiederaufgebaute und stabilisierte Erdhütte mutet hier schon seltsam an. Lenin hatte natürlich nur Gedanken für die Revolution, die sich die Überwindung eben dieser Klassenunterschiede auf die Fahnen geschrieben hatte.

Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/
Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/

Auf den Spuren der russischen Revolution…

vom 29.11.2015 14:18:41

… hatte ich kürzlich in Moskau die Gelegenheit, den Enkel von Jakov Chernichov zu treffen. Andrej Chernichov, selbst ein bekannter und erfolgreicher Architekt, verwaltet den Großteil des Erbes und Nachlasses seines berühmten Großvaters. Dieser steht noch immer im Schatten von Leonid und Wiktor Wesnin oder Konstantin Melnikov und anderen Konstruktivisten. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sein Werk hauptsächlich architektonische Utopien umfasst, gebaut wurde so gut wie nichts. Eines der wenigen Beispiel für eine Realisierung ist der Wasserturm in einer Fabrik in Petersburg. Dort, in Petersburg, wird derzeit eine umfangreiche Ausstellung zum Werk Chernichovs gezeigt. Träger und Veranstalter ist die Chernichov-Stiftung. In dem Fabrikgebäude plant die Stiftung, die auch einen Preis für Architekten auslobt, ein Architekturmuseum. Bevor das allerdings eröffnet wird, hoffe ich, im Rahmen einer anderen, in Berlin geplanten Ausstellung einige Werke von Chernichov zu integrieren.