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Lenin-Museum

Museumsstreifzüge – Folge 7: Das Lenin-Museum in Moskau

vom 15.01.2016 17:17:14

Wie schon der letzte Museumstreifzug nach Razliv, liegt auch dieser auf den Spuren der russischen Revolution, denen ich zur Zeit intensiv folge. Wieder einmal war ich zu Gast bei den Moskauer Kollegen des Staatlichen Historischen Museums, zu denen seit dem Ende der Sowjetunion auch das Lenin-Museum am Roten Platz gehört. Und natürlich musste ich auch dort wieder in die Tiefen der Depots abtauchen, um nach Exponaten zu suchen.

Es kommt mir selber schon komisch vor, aber auch in diesem Fall ist mein Bericht von 2003 für die Mitarbeiterzeitung des DHM noch immer aktuell: Die Keller sind, man kann es nicht anders sagen, vollgestopft mit Lenin-, Stalin- und anderen Büsten sowjetischer Helden und das Personal ist praktisch auch noch dasselbe. Kaum auszumalen, was passiert, wenn der langjährige Direktor und jetzige Mitarbeiter des Leninmuseums einmal nicht mehr da sein sollte, um sich zurechtzufinden.

Die Aufarbeitung der Bestände erfolgt allmählich durch Sonderausstellungen wie zuletzt 2014 in der Präsentation „Mythos des geliebten Führers“ http://www.shm.ru/shows/1113/ . Eine neue Dauerausstellung gibt es bisher nicht – wie überhaupt keine Dauerausstellung zum 20. Jh. im Staatlichen Historischen Museum. Ein Schelm, wer hier an Geschichtspolitik denkt.

Hier geht’s zum Museumsstreifzug.

Foto: http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/
Foto:
http://www.saint-petersburg.com/museums/razliv-museum-center/

Museumsstreifzüge durch unbekannte Museen – Folge 6: Razliv Museum Center

vom 06.12.2015 12:24:48

Auf den Spuren der Revolution war ich kürzlich an einer der letzten Lenin-Kult-Gedenkstätten, und zwar in Razliv bei St. Petersburg. Es handelt sich um das letzte Versteck Lenins, bevor er es dort nicht mehr aushielt und Ende Oktober 1917 buchstäblich mit der Straßenbahn in die Stadt fuhr, um die Revolution anzuzetteln. Daran erinnert ein Museum, oder besser gesagt eine Gedenkstätte im wahrsten Sinne des Wortes, mit zwei Standorten, indem sie Lenins Lebensumstände zunächst im Hause eines Revolutionsgenossen, dann in einer Erdhütte (!) weniger dokumentiert als konserviert.

Verrückt ist, dass genau hier, vor den Toren der Metropole, die Gegensätze der russischen Gesellschaft anschaulicher nicht sein könnten: Neben verfallenen Holzhäusern im finnischen Stil stehen wahre Protzbauten der neuen Russen und solide Villen der Mittelklasse. Nur die wenigsten der traditionellen Bauten werden wieder in Stand gesetzt, vielmehr hört man, dass sie regelmäßig zufällig abbrennen, um teuren Bauplatz frei zu machen.

Der Kult um die mehrfach wiederaufgebaute und stabilisierte Erdhütte mutet hier schon seltsam an. Lenin hatte natürlich nur Gedanken für die Revolution, die sich die Überwindung eben dieser Klassenunterschiede auf die Fahnen geschrieben hatte.

Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/
Foto: http://www.erarta.com/ru/calendar/exhibitions/detail/89565163-41cb-11e5-85a8-8920284aa333/

Auf den Spuren der russischen Revolution…

vom 29.11.2015 14:18:41

… hatte ich kürzlich in Moskau die Gelegenheit, den Enkel von Jakov Chernichov zu treffen. Andrej Chernichov, selbst ein bekannter und erfolgreicher Architekt, verwaltet den Großteil des Erbes und Nachlasses seines berühmten Großvaters. Dieser steht noch immer im Schatten von Leonid und Wiktor Wesnin oder Konstantin Melnikov und anderen Konstruktivisten. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sein Werk hauptsächlich architektonische Utopien umfasst, gebaut wurde so gut wie nichts. Eines der wenigen Beispiel für eine Realisierung ist der Wasserturm in einer Fabrik in Petersburg. Dort, in Petersburg, wird derzeit eine umfangreiche Ausstellung zum Werk Chernichovs gezeigt. Träger und Veranstalter ist die Chernichov-Stiftung. In dem Fabrikgebäude plant die Stiftung, die auch einen Preis für Architekten auslobt, ein Architekturmuseum. Bevor das allerdings eröffnet wird, hoffe ich, im Rahmen einer anderen, in Berlin geplanten Ausstellung einige Werke von Chernichov zu integrieren.

Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/
Foto: http://www.russkiymir.ru/news/198893/

10 Jahre Deutsch-Russischer Museumsdialog

vom 22.11.2015 16:33:10

Anfang der Woche hatte ich die Ehre und das Vergnügen, zu den geladenen Gästen der Festveranstaltung anlässlich des 10jährigen Bestehens des Deutsch-russischen Museumsdialogs zu gehören. Es war dies eine gute Gelegenheit, Kollegen aus verschiedenen russischen Museen und dem Forschungsfeld „Beutekunst“ im weitesten Sinne wiederzutreffen, darunter z.B. Grigorij Kozlov und Konstantin Akinsha. Es waren die beiden, die Anfang der 90er Jahre den Stein erst ins Rollen gebracht haben, ohne an die Konsequenzen zu denken. In Russland zu Persona non grata erklärt, waren beide damals häufig an der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen, wo ich zu der Zeit bei und mit Wolfgang Eichwede gearbeitet habe. Auch er war natürlich in Berlin.

Die Vorträge des ersten Tages waren eher unergiebig, es ging aber vermutlich auch eher um das Feiern der eigenen Erfolge. Davon gibt es in der Tat einige in Form von Rückgaben, Forschungsprojekten und – das wichtigste – der breiten Vernetzung deutscher und russischer Museumskollegen untereinander.

Trotzdem bleiben die sog. kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter und die „Beutekunst“ schwierige Themen, und der Umgang mit ihnen wird in Zeiten der abgekühlten deutsch-russischen Beziehungen auf der politischen Eben nicht leichter. Die Veranstaltung suchte ihren Weg zwischen der offenen Ansprache der Probleme und Herausforderungen auf der einen und dem kollegialen Austausch auf der anderen Seite.

Ich habe mich, im Gedenken an die Bremer Zeit, an meine Publikationen zum Thema erinnert (zusammen mit Christoph Kalb), denen die Idee einer Stiftung zugrunde lag. Der Clou war der gegenseitige Eigentumsverzicht auf der gemeinsamen kultur- und geistesgeschichtlichen Grundlage gesamteuropäischer Werte. Ich finde diese Idee noch immer aktuell, allerdings stehe ich damit vermutlich ziemlich alleine, wie die Diskussionen gezeigt haben.

10-летие Германо-Российского музейного диалога

В начале недели я имела честь и удовольствие побывать в числе приглашенных гостей на праздничном мероприятии по поводу 10-летнего существования Германо-российского музейного диалога. Это был хороший случай встретиться с коллегами из различных русских музеев, а также с исследователями в сфере „трофейного искусства“ в самом широком смысле, в том числе с Григорием Козловым и Константином Акиншей. Именно они стали „первопроходцами“ в этом деле в начале 90-х годов, не задумываясь о последствиях своей работы. Объявленные персонами нон-грата в России, они тогда часто бывали в Исследовательском центре Восточной Европы при Бременском университете, где я в то время работала у Вольфганга Айхведе. Разумеется, он также присутствовал на мероприятии в честь 10-летия Музейного диалога в Берлине.

Доклады первого дня конференции были скорее поверхностными, однако речь шла, вероятно, больше об оценке собственных успехов. Таковые действительно имеют место быть – реституции и совместные исследовательские проекты, а также – что является самым важным – образование обширной сети контактов среди немецких и русских музейных коллег.

Все же перемещенные культурные ценности и „трофейное искусство“ остаются трудными темами, и заниматься ими еще сложнее в период охлаждения германо-российских отношений в политической сфере. Мероприятие находится в поиске своей ниши между открытым обращением к актуальным проблемам и вызовам с одной стороны и коллегиальным обменом с другой.

Возвращаясь мысленно к бременским временам, я вспомнила о своих публикациях на данную тематику (совместно с Кристофом Кальбом), в основу которых была заложена идея создания фонда. Главной его особенностью является взаимный отказ от собственности на общей культурно-исторической и духовно-исторической основе общеевропейских моральных ценностей. Мне до сих пор нравится данная идея, которая, на мой взгляд, не потеряла своей актуальности и по сегодняшний день, однако мое мнение, кажется, не разделяет большинство коллег, как показали состоявшиеся дискуссии.

Foto: http://www.polithistory.ru/vistavka/1240-ekspoziciya-chelovek-i-vlast-v-rossii-v-xix-xxi-stoletiyah
Foto: http://www.polithistory.ru/vistavka/1240-ekspoziciya-chelovek-i-vlast-v-rossii-v-xix-xxi-stoletiyah

Streifzüge durch unbekannte Museen – Folge 5: Das Museum für Politische Geschichte in St. Petersburg

vom 15.11.2015 19:19:42

Eigentlich ist schon die Überschrift falsch: Das Museum für Politische Geschichte ist natürlich nicht unbekannt und sollte es auch nicht sein. Im Gegenteil: Jeder Museumsprofi, der mit Russland zu tun hat, kennt das frühere Petersburger Revolutionsmuseum nicht nur, weil es in dem Gebäude zu Hause ist, von dessen Balkon Lenin seine Aprilthesen verkündet hat (nachdem die Bolschewiki einen Teil der Villa der Primaballerina Mathilda Kshesinskaja besetzt hatten). Darüber hinaus kann man den Direktor, Evgenij Artjomov, und seine Mitarbeiter für ihre professionelle und produktive Arbeit nur bewundern. Häufig wechselnde (Dauer-)Ausstellungen, eine vielfältige Vermittlungsarbeit und ein breites Angebot im Internet heben das Museum weiterhin von einem Großteil anderer russischer Museen ab.

Ich war 2003 zum ersten Mal für das Deutsche Historische Museum dort, seitdem verbinden mich gute kollegiale, fast freundschaftliche Beziehungen mit dem Museum. In meiner Zeit als Leiterin des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst habe ich Herrn Artjomov in den wissenschaftlichen Beirat geholt – als zu diesem Zeitpunkt einzigen russischen Museumsmann und Petersburger Kollegen. Seit vielen Jahren arbeite ich immer wieder im Rahmen neuer Projekte mit dem Museum zusammen. Gerade war ich wieder für ein aktuelles Ausstellungsprojekt dort.

Eigentlich hat sich nicht viel verändert, so dass ich meinen Reisebericht von 2003 bedenkenlos veröffentlichen kann. Genau genommen ist das Museum noch besser geworden und die politischen Diskussionen noch leidenschaftlicher. Vor ein paar Jahren ging es um die neue Dauerausstellung zur Sowjetunion im 20. Jh. (eine Thema, die man in Moskauer historischen Museen übrigens bisher vergeblich sucht), konkret um die Darstellung von Terror und Repressionen. Aktuell debattiert man die russische Ukraine- und Weltpolitik. Es ist eine Ehre und eine Freude, an diesen Kontroversen teilhaben zu dürfen, wenngleich eine echte sprachliche Herausforderung, wenn man zu Wort kommen will. Wenn ich in Petersburg wohnte, ich würde sofort anheuern, und sollte irgendjemand das Museum tatsächlich doch noch nicht kennen – dann nichts wie hin!

Foto: www.mimi-gallery.com
Foto: www.mimi-gallery.com

Museumsstreifzüge – Folge 4: Die Russische Nationalbibliothek

vom 01.11.2015 16:55:35

Eigentlich muss man gar nicht die Abteilung der (Kunst-)Drucke bemühen, um bei der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg an ein Museum zu denken. Die Bibliothek selbst gleicht einem Musentempel, wie es ihn bei uns für die wissenschaftliche Arbeit nur noch selten gibt. Mich führte die Recherche für ein neues Ausstellungsprojekt in die heiligen Hallen, in denen ich vor 20 Jahren schon einmal für meine Doktorarbeit recherchiert hatte.

Wie so oft in Russland, hat sich seitdem nicht und alles verändert, was so viel heißen soll, dass man ständig von einem Extrem in das andere gerät – zwischen Freud und Leid der Errungenschaften moderner Technik und der Globalisierung und den überkommenen, sowjetischen Gepflogenheiten. Zunächst gilt es, die zeitlosen Hürden der russischen Bürokratie zu überwinden. Meine Anfrage, die ich problemlos per Email stellen konnte, wurde mit den Hinweis beschieden, nichts gehe ohne einen gültigen Benutzerausweis, der natürlich nur vor Ort zu bekommen ist. Danach sehe man weiter. Ich stelle mich also mutig der Empfangsdame und lege ihr, um sie milde zu stimmen, meinen Ausweis von 1994 mit diversen Stempeln und handschriftlichen Eintragungen vor. Tatsächlich bringt sie das zum Lächeln, sie schaut mich lange an und meint schließlich, dass sie mich sogar wiedererkennt. Mir wird ganz warm ums Herz. Trotzdem ist die Zeit auch über diesen Ausweis hinweggegangen und es folgt die übliche Prozedur jeder Bibliothek: Ich muss ein Formular ausfüllen, ein Digitalfoto wird erstellt und ich erhalte einen neuen Ausweis mit, eine russische Besonderheit, dem Vermerk „Ausländerin mit höherer Bildung“. Nachdem ich noch die nicht weniger heikle Herausforderung der Garderobendamen überwunden habe, bin ich drin.

Ich muss, wie gesagt, in die Abteilung historischer und künstlerischer Produktionen, der Отделение эстампов. Dorthin führt mich ein langer Gang, ausgelegt mit einem dicken Teppich, die Wände holzgetäfelt, behängt mit den ehrwürdigen Portraits früherer Bibliothekare und verdienter Wissenschaftler. Mehrfach zweigt der Weg in labyrinthartige Gänge ab, Hinweisschilder gibt es keine, gelegentlich eine Vitrine mit Rara und alten Drucken. Es ist angemessen still, mir begegnen Leser und Leserinnen, tief versunken in ihre Gedanken mit Büchern und gebundenen Mappen unter dem Arm, Computer scheinen hier nicht her zu passen. Zeichen unserer aller Verbundenheit über nationale, Alters- und Bildungsgrenzen hinweg ist der Laufzettel, den wir alle zusammen mit unserem Ausweis bei uns tragen und der allein, bestempelt durch eine autorisierte Abteilung, bei der wir nachweislich vorstellig wurden, uns den freien Ausgang vorbei an der Polizeiwache garantiert.

Eine breite, marmorne Treppe, gesäumt mit verwitterten Steintafeln mit lateinischen, hebräischen, glagolitischen und griechischen Inschriften endet schließlich in einer schummrig beleuchteten Vorhalle, eingerahmt durch zweistöckige Bücherregale, deren Empore durch gewundene Wendeltreppen erreichbar wären, wenn sie nicht für den normal Sterblichen durch eine dicke rote Kordel abgesperrt wären. Große und schwere Vitrinen beherbergen eine Ausstellung über die Geschichte der Körperkultur, sprich: Sport, in Grafik, Literatur und Presse. In der Mitte thront die diensthabende Aufsicht, die дежурная, und schaut mich prüfend über ihre Brille hinweg an. Eine gewisse Erleichterung macht sich breit, als ich sie auf russisch frage, wo die gewünschte Abteilung sich befindet. Ohne Worte weist sie mir den Weg, absurd geradezu die Vorstellung, dass man bis hierhin gekommen ist, und den Weg nicht kennt.

Noch eine Halle ist zu durchqueren, eine Flügeltür zu stemmen und vor mir liegt erneut ein langer Gang, wiederum mit Teppich belegt und gerahmt von zweistöckigen Regalen und Vitrinen. Ehrfurchtsvoll schreite ich diese ab und bewundere Stiche, Leporellos, Postkarten, Kinderbücher, Karten und viele weitere Schätze. Am Ende wartet, hinter einem hohen Tresen, die nächste Aufsicht. Die Versuche, ihr mein Anliegen zu erklären, nämlich die Sammlung von Originalfotos aus dem 19. Jh. zu sehen, scheitern bis auf weiteres. Wie vermutet, ist meine schriftliche Anfrage niemals bis in den Lesesaal durchgedrungen. Es folgt, was folgen muss: Ich fülle eine handschriftliche Anfrage an die Bibliothekarin aus, der Fall ist kompliziert, also bestenfalls in einer Woche ist mit einer Antwort zu rechnen. Ich zeige mich ergeben und kündige doch an, in zwei Tagen noch einmal vorbeizuschauen, es geschehen ja auch Wunder.

So geschieht es, ich durchwandere abermals die Gänge und stehe ohne viel Hoffnung vor dem Tresen. Dieses Mal händigt man mir mehrere Bildbände aus, in denen eben jene Fotosammlung partiell publiziert sind. Es waren jene Kataloge, die mich in den Berliner Bibliotheken auf die Spur der Sammlung gebracht und den Wunsch geweckt haben, aus der Originalsammlung Exponate für unsere Ausstellung auszuwählen. Jetzt hilft nur noch eins, ich muss zur Chefin der Abteilung durchdringen. Ein paar Telefonate bescheren mir die persönliche Mailadresse, kurz darauf habe ich eine freundliche Einladung, die für mich seit langem bereit liegende Sammlung zu sehen.

Und so verläuft mein dritter Besuch nicht nur problemlos, sondern sehr erfolgreich: Neben den Fotos bekomme ich originale Plakate, Kunstbücher und vieles mehr zu sehen einschließlich einer Fotoerlaubnis und professionellen Betreuung. Man habe schon auf mich gewartet, meine Anfrage liege ja vor, nur im Lesesaal, habe man davon offenbar nichts gewusst, erklärt sie mir in ihrem Büro, das nur durch eine Tür vom Lesesaal getrennt ist. Aber ich bin natürlich auch selber schuld: Meine ersten Besuche fielen in die abendlichen Öffnungszeiten der Bibliothek, in denen Rückfragen an die Leitung nicht möglich sind und originale Sammlungen sind eben nicht mit gewöhnlichen Büchern und Veröffentlichungen zu vergleichen, die in den anderen zahllosen Lesesälen und Abteilungen an die Leser ausgegeben werden. Ich hätte es wissen müssen nach meinen Recherchen in der Handschriften-Abteilung anno 1994/95. Vieles hat sich seitdem verändert, manches aber eben auch nicht. Heute funktioniert die Heizung zuverlässig, das Buffet hat mehrere Essen zur Auswahl, es gibt ein WiFi-Netz und eine im Prinzip frei zugängliche Kopierstelle. Irgendwie bin ich aber trotzdem froh, dass russische Bibliotheken eben doch noch eine Herausforderung bleiben und kann nur jedem empfehlen, die russische Fachliteratur stärker zu berücksichtigen.

Foto:  http://www.timacad.ru/faculty/zoo/museumkonev/
Foto:
http://www.timacad.ru/faculty/zoo/museumkonev/

Museumsstreifzüge – Folge 3

vom 18.10.2015 12:54:10

Das Thema „Pferde und reiten“ aus dem Blogeintrag vom 4. Oktober hat mich an die Anfänge meiner sehr spezifischen Interessensverbindung von Museum, Russland und Pferden erinnert. Das Ziel einer meiner ersten Museumsbesuche in Russland war das heute noch immer bestehende „Museum der Pferdzucht in der landwirtschaftlichen Timirjasev-Akademie“ in Moskau. Ich war dort im Herbst 1989 (!) während meines Studiums in Moskau.

Ich weiß noch, wie ich nach generalstabsmäßiger Vorbereitung mit Karte und Erkundung der öffentlichen Verkehrswege voller Stolz am (gefühlt) äußersten Nordzipfel der Stadt angekommen bin und vor dem Museum stand. Ich war die einzige und vermutlich auch die erste ausländische Besucherin, so dass mich die Damen der Aufsicht direkt in ihr Herz schlossen. Dass ich schon leidlich russisch sprach, hat sie darin nur ermutigt. Sie haben mich mit ihrer ganzen Begeisterung für die nationale Pferdezucht und das russisch-sowjetische Museumswesen durch die Ausstellung geführt. Ich habe sehr herzliche und schöne Erinnerungen an diesen Ausflug, der, wenn ich es mir jetzt nach 25 Jahren überlege – mein Interesse an Russland gestärkt, meine Leidenschaft für Pferde bekräftigt und meine Begeisterung für Museen vermutlich erst geweckt hat. Ich muss unbedingt bei meiner nächsten Reise nach Moskau ins Pferdezuchtmuseum fahren!

Музей коневодства Московской сельскохозяйственной академии им. К.А. Тимирязева

Тема „лошади и конный спорт“ из блога 4ого октября напомнила мне в истоках своей очень специфической связи по интересам: музеи, Россия и лошади. Целью одно из моих первых музейных посещений в России был еще сегодня существующий «Музей коневодства» в Москве. Я его посетила осенью 1989 г. (!) во время учебы в Москве.

Я хорошо помню, как я туда добралась после аккуратной подготовки в стиле генерального штаба при помощи карт и схем общественного транспорта и гордо стояла перед музеем у края севера Москвы (как мне показала). Я была единственной и, вероятно, также первой иностранной посетительницей, так что дамы в музее сразу полюбили меня. Факт, что я уже говорила более или менее по-русски, их только воодушевил. Со всем энтузиазмом по национальному коневодству и русско-советскому музейному делу они сделали мне зкскурсию. У меня остались самые теплые воспоминания об этом посещении, которое, если размышляю о нем через 25 лет – укреплел мою любовь к России, подтвердил мою страсть к лошадям и разбудила, вероятно, мое увлечение музеями. Я при своей следующей поездке в Москву точно должна собираться в музей коневодства!

Das Museum im Chrenovskij Pferdegestüt/музей в Хреновском конезаводе Foto: http://www.osd.ru/txtinf.asp?tx=2785
Das Museum im Chrenovskij Pferdegestüt/музей в Хреновском конезаводе
Foto: http://www.osd.ru/txtinf.asp?tx=2785

Auf den Spuren der russischen Pferdezucht

vom 04.10.2015 15:18:52

Meine Projekte und Publikationen bewegen sich, wie auf dieser Website dargestellt, in der Schnittmenge von Russland, Geschichte und Museum. Eigentlich müsste ich noch einen vierten Schwerpunkt hinzufügen, der auf den ersten Blick nicht so recht dazu passen will: Pferde. Hier liegt mein Schwerpunkt zugegebenermaßen in der Freizeit, aber es gibt doch immer wieder fließende Grenzen zu beruflichen Projekten.

Aktuell verbinden sich Russland, Geschichte, Museum und Pferde in Recherchen zur russischen Emigration nach der Revolution 1917. Auf den Spuren der Familie Orlow stoße ich auf das erste Gestüt der russischen Traber, der Orlowpferde. Es liegt gut 600 km südlich von Moskau im Gebiet Voronezh – ohne Zweifel eines meiner nächsten Ziele für die Museumsstreifzüge. Es erinnert mich an die Anfänge meiner Museumsrundgänge (aber das ist eine eigene Geschichte) und ich stelle fest, dass zu meiner Arbeit eine immer wiederkehrende Begegnung mit der russischen Pferdezucht und Reiterei gehört. Noch zu Sowjetzeiten bin ich Bitca geritten, später in Sokolniki und zuletzt drei Jahre in Minsk – dank persönlicher Kontakte zu offiziellen Vertretern des Reitsports immer auf Spitzenpferden und mit professionellem Training. Die vielen Geschichten vom Protokollschreiben für kapriziöse Dressurrichter aus Deutschland auf internationalen Turnieren, die Übersetzungen von – teilweise grotesk anmutenden – Gesprächen über Kooperationsmöglichkeiten (Ankauf eines Hengstes aus Deutschland oder doch lieber Sperma?) sowie unvergessliche Erlebnisse in diversen VIP-Lounges auf Turnieren gehören wohl nicht in diesen Blog. Ich hatte davon in meinem Belarus-Blog berichtet.

Und doch holen mich Pferd und Reiter in Russland/Belarus immer wieder ein, nun eben über die Orlow-Traber und einen der heutigen Vertreter dieses alten russischen Adelsgeschlechtes. Aber ich bin auch nicht die einzige, die erkannt hat, dass man Russland zwar nie ganz, aber ein bisschen besser nur über seine Pferde verstehen kann: Der Regisseur Thorolf Lipp bereitet im Auftrag von ZDF/arte eine 5-teilige Dokumentation über die „Russlands Pferde“ vor. Ich kann es kaum erwarten!

По следам русского конезаводства

Мои проекты и публикации передвигаются, как представлено на этой веб-странице, в пересечении России, истории и музеев. Правда, я должна была бы добавлять еще четвертый аспект, который на первый взгляд как-то не подходит к этому: Лошади. Разумеется, тема связана со свободным временем, но, все же, снова и снова влияет на мои профессиональные проекты.

В настоящее время Россия, история, музей и лошади связываются в моих поисках по русской эмиграции после революции 1917 г. По следам семьи Орловых я сталкивалась с первом конном заводом легендарной орловской рысистой породы лошадей. Он лежит 600 км в юге от Москвы в Воронежской области – без сомнения одна из моих следующих музейных экскурсий. Это напоминает мне в истоках моих экскурсий по русским музеям (однако, это другая история) и я понимаю, что всегда возвращаюсь к русскому конезаводству и конному српорту. Еще в советские времена я каталась в Битце, попозже в Сокольниках и в конце три года в Минске – благодаря личным контактам с официальными представителями конного спорта всегда на лошадях вышего класса и с профессиональной тренировкой. Много анекдотов о поддержке капризных немецких судей по выездке на международных соревнованиях, переводе – частично абсурдных – переговоров о возможной кооперации (пркупать жеребца из Германии или все же сперму?) а также незабываемых встречах с VIP спортсменами пожалуй не принадлежат в этот блог. Я рассказала об этом в своем блоге из Беларуси.

И, все же, лошади и всадники в России / Беларуси сопровождают меня, теперь как раз в рамках поисков одного из сегодняшних представителей старого русского дворянского рода. Но я, кажется, не единственная, которая поняла, что понимать Россию полностью не возможно, но немного лучше только через истории ее лошадей: Режиссер Торольф Липп по поручению немецкого телевидения подготавливает 5-частную документацию о „лошадях России“. Я едва ли могу ожидать ее!

Blick in die Ausstellung, 2002
Blick in die Ausstellung, 2002

Museumsstreifzüge

vom 20.09.2015 13:38:28

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht in der Recherche nach Exponaten in russischen, belarussischen und anderen (osteuropäischen) Museen. Angefangen hat das damals mit der Ausstellung zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (2004), als ich zwischen 2001 und 2003 im Auftrag des Deutschen Historischen Museums nach Russland, in die Ukraine, nach Litauen, Ungarn und Serbien gefahren bin, um Leihgaben zu recherchieren, die wir später in der Ausstellung gezeigt haben.

Diese Erfahrungen waren Gold wert, seitdem bin ich immer wieder für verschiedene Museen unterwegs, um Exponate zu suchen. Allmählich kenne ich viele russische Sammlungen ziemlich gut, noch wichtiger sind aber die persönlichen Kontakte zu den Kollegen. Schon bald werde ich für ein neues Projekt wieder nach Russland Belarus und in die Ukraine aufbrechen.

Das eine sind die Ergebnisse der Exponatsuche, das andere die (inter-)kulturellen Eindrücke, die ich dabei sammele. Diese will ich hier in einer neuen Reihe unter dem Schlagwort „Museumstreifzüge“ veröffentlichen. Zur Einstimmung beginne ich mit früheren Texten, die damals in der Mitarbeiter-Zeitung des DHM erschienen sind. Den Anfang macht das Museum der Grenzregimenter in Moskau – ein unwiederbringliches Erlebnis. Vermutlich hat sich vieles seitdem in dem Museum geändert, wenn ich mich nicht täusche schon allein die Unterordnung unter den FSB, die es damals noch nicht gab. Leider hatte ich nach meinem Besuch 2002 nichts mehr mit dem „Museum der Grenzregimenter“ zu tun – schade eigentlich!

Hier geht’s zum Text.

Foto: http://www.hlz.hessen.de/start/nachlese/rueck-2015/rueck-8mai.htmlFoto: http://www.hlz.hessen.de/start/nachlese/rueck-2015/rueck-8mai.html

8. oder 9. Mai – Wann und wie gedenkt Europa des Kriegsendes?

vom 19.08.2015 09:02:29

Die Erinnerungskultur verschiedener europäischer Länder sowie Japans war Gegenstand eines Symposiums der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung in Kooperation mit der Universität Mainz am 24. April in Frankfurt. Mein Beitrag bestand in einem kurzen Überblick über das Gedenken in Osteuropa. Während Russland nach wie vor am 9. Mai den „Tag des Sieges“ feiert, setzten sich die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken und osteuropäischen Staaten zunehmend davon ab. Bis heute dauern die Diskussionen an, wie sie des Kriegsendes in einem nationalen und europäischen Rahmen gedenken wollen. Die Texte der Tagung sollen demnächst in einem Sammelband publiziert werden. Einen Einblick in das kollektive Gedächtnis in Deutschland für russische Leser konnte ich in der Mai-Ausgabe des russischen Museumsmagazin „Muzej“ publizieren.

8 или 9 мая – Когда и как Европа вспоминает конца войны?

Культура воспоминания в различных европейских странах и в Японии была предметом симпозиума Гессенского земельного центра Политического образования в кооперации с университетом города Майнца в 24 апреля во Франкфурте. Мой взнос существовал в коротком обзоре воспоминания в Восточной Европе. В то время как Россия по-прежнему празднует „день победы“ в 9ого мая, другие бывшие советские республики и восточноевропейские государства меняли праздничную практику. До сегодняшнего дня дискуссии продолжаются, как они хотят помнить конца войны в национальной и европейской рамке. Скоро тексты конференции опубликуются в сборнике. Текст о коллективной памяти в Германии для русских читателей я уже могла публиковать в майском издании русского музейного журнала «Музей».