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Foto: https://www.sb.by/articles/istoriya-dolzhna-nas-obedinyat.html

Neues zu Kurapaty, den Stalinschen Repressionen und anderen ungeliebten Themen in Belarus

vom 19.04.2017 05:00:51

Im Februar war es zu neuen Protesten in Kurapaty gekommen, wo der Bau eines Wohnhauses beginnen sollte. Fast zwei Wochen lang widersetzen sich die Gegner der Überbauung den Baggern, bevor es zu vereinzelten Verhaftungen kam. Der Bau wurde gestoppt und nun soll es sogar eine Gedenkstätte geben.

Zur gleichen Zeit fand ein Rundtischgespräch in Minsk zu den Stalinschen Repressionen und Aktivitäten des NKWD statt. Erstmals war daran auch der kritische Historiker Nikolaj Kuznecov beteiligt. Er publiziert seit Jahren zu dem Thema, so dass sich so mancher wundert, wie er das unbeschadet tun konnte und kann.

Erstmals konnte er sich jetzt offen über die Repressionen äußern. Kuznecov kritisierte, dass die Erinnerung daran bisher im offiziellen Gedächtnis nicht vorkommt und forderte eine Arbeitsgruppe zur Errichtung einer Gedenkstätte.

Bemerkenswert daran ist, dass an der Diskussion auch der stellvertretende Chef des KGB und namhafte (linientreue) Historiker teilnahmen und der gesamte Text in der (ebenfalls linientreuen) Zeitung Sovetskaja Belarus veröffentlicht wurde.

Leider haben allerdings die jüngsten Ereignisse in Belarus gezeigt, dass entgegen jeder Hoffnung doch keine Tauwetterperiode angebrochen ist.

Foto: IBB Minsk

Unsere Maly Trostenec-Ausstellung nun auch in Minsk

vom 10.04.2017 04:54:19

Anlässlich des 25. Jahrestages zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen wurde in Minsk nun auch unsere Trostenec-Ausstellung eröffnet. Ihre erste Station ist das Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, wo sie an prominenter Stelle noch bis zum 16. April zu sehen ist. Anschließend soll sie nach Grodno und Mogiljow wandern.

Das Programm zur Eröffnung umfasste einen Besuch am historischen Ort, wo unsere Delegation mit General a.D. Schneiderhan in seiner neuen Funktion als Präsident a.i. des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Kranz niederlegte, eine interkonfessionelle Andacht in der Kirche Aller Heiligen sowie eine Diskussionsveranstaltung in der Geschichtswerkstatt. Im Museum sprach u.a. Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, der zudem nach einem politischen Programm in Minsk am nächsten Tag mit Studierenden in der IBB diskutierte.

Seit November 2016 ist die Ausstellung bereits in Deutschland zu sehen, aktuell im Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst. Die nächste Station ist ab Oktober Köln, später Bremen.

Die Ausstellung wird noch bis zum 16. April im Minsker Kriegsmuseum zu sehen sein.

Weitere Informationen:
http://www.stiftung-denkmal.de/veranstaltungen/veranstaltungsberichte/detail/article/eroeffnung-der-wanderausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung.html

TV-Berichte und Artikel zur Eröffnung in Minsk:

http://ont.by/news/our_news/nemeckaya-delegaciya-posetila-memorialnij-kompleks-trostenec

http://www.ctv.by/mir-segodnya-nuzhnee-vsego-nemeckaya-delegaciya-posetila-memorial-trostenec

http://minsknews.by/blog/2017/03/13/predstaviteli-nemetskoy-obshhestvennosti-vozlozhili-tsvetyi-k-memorialu-v-trostentse/

http://www.belrynok.by/ru/page/society/4766/

http://www.buechtger.tradicia.de/
http://www.buechtger.tradicia.de/

Neues zu Robert Büchtger

vom 04.04.2017 13:44:08

Ich freue mich immer wieder, wenn ich eine neue Meldung zu einem weiteren Büchtger-Gemälde erhalte. Meist findet jemand auf der Suche nach Informationen zu diesem deutsch-russischen Künstler im Internet meine Website und meldet ein weiteres, für mich neues Gemälde. Dieses Mal handelte es ich um eine Winterlandschaft, die leider, wie die meisten Bilder von Büchtger, nicht datiert ist. Mit solchen Meldungen wächst das Werkverzeichnis weiter und macht hoffentlich auf den Künstler und die Website aufmerksam!

Leipzig_2017

„Leipzig liest“: Vorstellung der Ausstellungskataloge auf der Buchmesse

vom 22.03.2017 13:41:34

Am Freitag, den 24.3. wurden die bisher erschienenen Bücher zu den beiden Ausstellungen durch den Sandstein-Verlag auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt: Der Katalog des Schweizerischen Nationalmuseums und der Essayband. Mit Jörg Baberowski und Dirk von Laak habe ich über die Ausstellungen, die Revolution und die Erinnerung daran gesprochen. Etwa 100 Interessierte haben uns dabei zugehört.
24.3.2015, 15.00 Uhr bis 15.30 Uhr, Forum Sachbuch Halle 3, Halle 3, Stand E201

Genauso voll war eine Veranstaltung mit Michail Rychlin, ebenfalls zur Russischen Revolution, die ich am Vormittag besucht hatte. Und der Guggolz-Verlag, mit dem wir für die Berliner Ausstellung zusammenarbeiten, hat auf der Messe den Kurt Wolff Förderpreis erhalten. Ein rundum toller Tag auf der Leipziger Buchmesse!

SNM_Revolution

1917. Revolution. Russland und die Schweiz

vom 12.03.2017 13:12:39

Am 23.2. war es soweit: Die Ausstellung wurde in Zürich eröffnet. Zuvor hatte es eine Pressekonferenz und eine Preview für die Leihgeber gegeben. Alles ist erfolgreich verlaufen, und die Ausstellung bekam durchweg positives Feedback. Hier die ersten Pressestimmen der NZZ (mit Bildern), des Tagesanzeigers (ebenfalls mit Bildern) und des SRF.

Neben dem gemeinsamen Essayband für die Ausstellungen in Berlin und Zürich ist nun auch der Katalog zur Schweizer Ausstellung erschienen – mit 75 Abbildungen ein schönes Lesebuch.

Für mich ist es die erste große Etappe in dem Kooperationsprojekt zwischen dem Schweizerischen Nationalmuseum und dem Deutschen Historischen Museum, und ich freue mich nach wie vor, Kuratorin bei beiden Projekten zu sein.

Nun wird die Arbeit für die Berliner Ausstellung an Fahrt gewinnen – Zielpunkt ist die Eröffnung, die nach aktuellem Stand am 20. Oktober stattfinden wird.

Katalog_Trostenez

Eröffnung der Wanderausstellung zu Maly Trostenez in Minsk

vom 03.03.2017 09:53:31

Anlässlich des 25. Jahrestags der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Belarus und Deutschland am 13. März soll die Wanderausstellung zum ehemaligen Konzentrationslager Maly Trostenez im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk eröffnet werden. Das wäre die erste Station der Ausstellung in Belarus, an der wir mehrere Jahre gearbeitet haben.

Das Projekt geht auf die Initiative des IBB Dortmund zurück, die Ausstellung wurde von deutschen und belarussischen Historikerin unter der Federführung der Stiftung Denkmal Europäische Juden Europas erarbeitet. Die erste Station in Deutschland war die Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, wo die Ausstellung in deutsch-russischer Version am 8. November 2016 eröffnet worden war. Eine belarussisch-deutsche Version soll nun auch durch Schulen und Bildungseinrichtungen in Belarus wandern.

Parallel sind am historischen Ort, ebenfalls auf Initiative des IBB und der Stand Minsk, weitere Informationseinheiten und Erinnerungszeichen angebracht worden. Für die Zukunft hoffen wir darauf, Teile unserer Ausstellung auch dort, am historischen Ort, dauerhaft zeigen zu können.

Maly Trostenez kehrt seit einigen Jahren in das kollektive Gedächtnis des Landes zurück und mit ihm auch die Erinnerung an die Ermordung der belarussischen Juden. Dieses Thema war lange zwar nicht tabuisiert, aber doch ein Randthema, das in die offizielle Darstellung des Zweiten Weltkriegs nur zögerlich integriert wurde. Ähnlich war und ist es noch immer mit den sog. Euthanasie-Verbrechen. Aber auch sie erfahren derzeit eine neue Aufmerksamkeit. Die Galerie Ў zeigt eine Ausstellung zum Thema „Von der Entmenschlichung zum Mord. Das Schicksal der psychisch Kranken in Belarus“ und erinnert damit an eine lange vernachlässigte Opfergruppe in Belarus.

Essayband_1917

1917. Revolution. Es ist soweit….

vom 22.02.2017 09:51:17

Nicht nur die historische Februarrevolution jährt sich in diesen Tagen zum 100. Mal. Nein, auch ein erster Meilenstein meines und unseres Projektes ist geschafft: Pünktlich zu Eröffnung der Ausstellung in der Schweiz erschient der Essayband zu beiden Ausstellungen in Zürich und Berlin. Zu erwerben ist der beim Sandstein-Verlag publizierte Band unter dem Titel „1917. Revolution. Russland und die Folgen“ in deutscher und englischer Sprache. Parallel erscheint auch der Katalog zur Ausstellung des Schweizerischen  Nationalmuseums „1917. Revolution. Russland und die Schweiz“. Die Ausstellung, zu deren Kuratoren ich gehöre, eröffnet am Donnerstag, den 23. Februar, also genau am Jahrestag der großen Frauendemonstration in Petrograd, die die Ereignisse ins Rollen brachte – der Auftakt für ein spannendes Jahr im Zeichen der Erinnerung an die Russische Revolution.

Foto: http://www.kommersant.ru/doc/3187062
Foto: http://www.kommersant.ru/doc/3187062

Geheime Akten zur Russischen Revolution

vom 13.02.2017 09:49:44

Gestern auf dem Pressefrühstück im Deutschen Historischen Museum tauchte die Frage auf, ob wir bei unserer Ausstellung denn auch die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigen, die in den letzten 20 Jahren nicht zuletzt auf der Grundlage von Quellen und Dokumenten aus den russischen Archiven entstanden sind. Abgesehen davon, dass sich wissenschaftliche Forschungen für die Bescher in einer Ausstellung nur schwer abbilden lassen, sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Wir versuchen, mit der Lektüre der neusten Literatur à jour zu bleiben, lassen uns von einem Gremium wahrer Revolutionsexperten im Fachbeirat beraten und haben Historikerinnen und Historiker gebeten, die aktuellen Perspektiven auf die Russische Revolution im Essayband dazulegen.

Wie schwierig es aber weiterhin ist, mit den entsprechenden Akten in den russischen Archiven zu arbeiten, legt ein interessanter Artikel –nach einem Selbstversuch der Recherche – im russischen „Kommersant“ dar (16.1.2017). Demnach sind zahlreiche Akten noch immer gesperrt bzw. nicht zugänglich. Dazu gehören offenbar persönliche Materialsammlungen, etwa von Lenin oder Krupskaja, ebenso wie Briefe oder die Akten zur Konfiskation kirchlicher und anderer Kulturgüter nach der Revolution. Der Autor stellt zurecht die Frage, wie man sich zum 100. Jahrestag ein vollständiges Bild von den Ereignissen machen soll, wenn ausgerechnet die Akten der Revolutionsführer noch immer nicht zugänglich seien?  Er schließt mit den philosophischen Worten: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Das größte Geheimnis der Revolution bleibt auch weiterhin die Revolution selbst.“ Das allerdings verschafft weiteren Generationen von Historikern ein Auskommen und ist doch außerdem ganz nach russischem (Verschwörungs-)Geschmack…

Foto: http://www.dekoder.org/de/article/historische-presseschau-oktober-1917
Foto: http://www.dekoder.org/de/article/historische-presseschau-oktober-1917

Presseschau zur Oktoberrevolution

vom 03.02.2017 11:16:53

Angesichts der Vielfalt an Meinungen und Kommentaren zum 10. Jahrestag der Russischen Revolution lohnt der Blick in die zeitgenössische Presse. Wie reagierten die Zeitungen auf den Oktoberumsturz am 25. Oktober (7. November) 1917? Bereits mit dem Dekret über die Presse vom 28.10., also zwei Tage nach der Machtübernahme, schränkten die Bolschewiki die Pressefreiheit ein, viele Organe fielen dieser Zensur zum Opfer. Am 26.10. (08.11.) konnten die meisten Zeitungen noch erschienen. Eine Auswahl aus Artikeln hat Leonid A. Klimov vom Portal DEKÓDER zusammengestellt und dokumentiert. Die Zitate sind auf deutsch und im russischen Original nachzulesen und bieten einen Einblick in das letztmalig noch breite Spektrum der Meinungsfreiheit.

Foto: http://www.sovrhistory.ru/exposure/5554e54bb77e8cd5016cadf5
Foto: http://www.sovrhistory.ru/exposure/5554e54bb77e8cd5016cadf5

Das Erbe der Revolution in Archiven, Bibliotheken, Museen und Medien

vom 25.01.2017 11:15:41

Zu diesem Thema veranstaltet das Museum für zeitgenössische Geschichte vom 24.-28. April eine Konferenz in Moskau, zu deren Programmkommission zu gehören ich die Ehre und die Freude habe. In diesem Engagement sehe ich die Chance, einen Überblick über die Vielfalt von Veranstaltungen, Ausstellungen und Forschungen zur Revolution zu bekommen, die es in diesem Jahr in Russland schon gibt und weiter geben wird. Zumal, wie ich finde, sich das Thema der Konferenz von der Vielzahl weiterer durch den Blick auf die materiellen „Hinterlassenschaften“ der Ereignisse vor 100 abhebt. Und schließlich nutze ich die Gelegenheit, die Ausstellungen im Schweizerischen Nationalmuseum und im Deutschen Historischen Museum vorzustellen.